Herr Rosentreter, wann waren Sie zuletzt auf dem Gelände des Container-Flüchtlingslagers?
Es ist circa ein halbes Jahr her.
Dieter Rosentreter (63, FDP), Oberursels Sozialdezernent, hält die kurzfristige Unterbringung Obdachloser im Containerlager an der Karl-Hermann-Flach-Straße für zumutbar. Auf Dauer müsse die umstrittene Einrichtung aber geschlossen werden. Sie werde künftig regelmäßig kontrolliert, teilte Staatssekretärin Petra Müller-Klepper im hessischen Familienministerium auf Anfrage der Grünen-Abgeordneten Ellen Enslin mit. (nes)
Wie finden Sie es dort?
Die Bedingungen entsprechen natürlich nicht meinem und Ihrem Lebensstandard. Und um da eine längere Zeit zu leben, ist es nicht das Ideale. Keine optimale Unterbringung. Das Lager entspricht nicht der heutigen Zeit.
Einige Flüchtlinge leben schon acht oder neun Jahre in den Containern. Und etwa 20 Kinder.
Um die kümmern wir uns, obwohl es nicht unsere Aufgabe ist. Wir bezuschussen die Hausaufgabenhilfe durch den Kinderschutzbund. Es gibt auch Freizeitangebote. Wir planen, gemeinsam mit dem Internationalen Bund und anderen Institutionen, Kinder in Bommersheim, außerhalb des Lagers, zu betreuen.
Sie weisen seit zwei Jahren obdachlose Oberurseler in die Container ein. Und sagen selbst, der Standard sei schlecht.
Wir haben dort Zimmer angemietet mit derzeit drei Bewohnern. Ich sage mit gutem Gewissen, dass es für die Obdachlosen zumutbar ist. Denn sie kommen kurzfristig wieder heraus, nach zwei Wochen, vier Wochen, einem Vierteljahr oder auch mal einem Jahr.
In Oberursel steht das letzte Container-Sammellager in Hessen. Dieses Negativ-Merkmal kann der Hessentagsstadt nicht gefallen. Die Grünen beantragen am nächsten Donnerstag im Stadtparlament die Schließung. Warum fordern Sie und der Magistrat den Hochtaunuskreis nicht auf, das Lager dichtzumachen?
Diese Einrichtung ist nicht erfreulich. Es wäre für unsere Stadtentwicklung von Vorteil, wenn wir sie nicht hätten.
Aber Sie fordern auch nicht die Schließung.
Weil der Hochtaunuskreis das Recht hat, die Einrichtung vorzuhalten. In Besprechungen mit dem Kreis werden die Zustände ab und zu angesprochen. Aber das machen wir nicht öffentlich.
Die Flüchtlinge müssen also weiter in rostigen Containern leben. Und im Sommer kommen 35 Flüchtlinge hinzu, wenn das Lager am Niederstedter Weg in Bad Homburg schließt.
Es ist nicht begrüßenswert, wenn so viele Flüchtlinge in Oberursel konzentriert werden. Aber ich habe auch keinen Protestbrief geschrieben. Das Oberurseler Lager wird nicht so schnell geschlossen, wie die Grünen es wollen. Aber die Diskussion wird die Verantwortlichen zwingen, zu handeln und das Lager zu schließen. In den nächsten drei bis fünf Jahren muss das passieren.
Dann sind die Container ohnehin durchgerostet.
Wir überprüfen, ob technisch und brandschützerisch dort alles in Ordnung ist. Ich habe veranlasst, dass bis Ende des Monats eine Brandschau erfolgt.
Interview: Klaus Nissen

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