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Interview zu Hartz-IV-Empfängern: "Es gibt oft Missverständnisse"

Der VdK-Vorsitzende Hannes Küster spricht im FR-Interview über die Probleme von Hartz-IV-Empfängern im Landratsamt.

Hannes Küster ist Vorsitzender des VdK im Hochtaunus.
Hannes Küster ist Vorsitzender des VdK im Hochtaunus.
Foto: Privat

Herr Küster, Sie und ein halbes Dutzend Ehrenamtliche vom VdK beraten in Bad Homburg, Oberursel, Friedrichsdorf und Kronberg Menschen, die in sozialen Fragen Hilfe suchen. Auch Hartz-IV-Antragsteller. Warum eigentlich? Die Sachbearbeiter im Landratsamt sind doch dafür da, die Menschen zu beraten.

Viele scheuen den Weg zu einer Behörde. Und andere, die bereits da waren, kamen mit den Sachbearbeitern nicht klar. In Sachen Hartz IV ist es Aufgabe der Behörde, den Menschen aus der Armutsfalle herauszuhelfen. Aber wer Hilfe beantragt, erscheint den Behörden eher suspekt. Die Vermutung steht immer im Raum, dass der Antragsteller schwarz arbeiten oder sonstwie den Staat abzocken will.

Zur Person

Hannes Küster (70) führt den 2500 Mitglieder starken VdK-Kreisverband. Ehrenamtlich beraten er und seine Mitstreiter Leute, die Probleme mit Sozialbehörden haben. In Bad Homburg führen sie jährlich 700 Gespräche.

Der VdK wurde 1950 als "Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands" gegründet. Jetzt vertritt der gemeinnützige, konfessionell und parteilich unabhängige Verein die Interessen von Menschen mit Behinderungen, von chronisch Kranken, von Senioren und von Kriegs-, Wehrdienst- und Zivildienstopfern. Im Konflikt mit Sozialbehörden notfalls auch vor Gericht. (nes)

Die FR berichtete vorige Woche von einer Familie aus Usingen, die monatelang gesperrt wurde - weil es irgendwo in Deutschland Namensvetter gibt, die ein Arbeitsverhältnis haben. Ist es nach Ihrer Erfahrung üblich, dass der Hochtaunuskreis die Sozialhilfe bei Unstimmigkeiten stoppt, auch wenn noch kein Betrug nachgewiesen ist?

Das ist leider so. Dabei versuchen nach unserer Erfahrung weniger als fünf Prozent der Antragsteller, sich Leistungen vom Staat zu erschleichen. Die große Mehrheit besteht aus anständigen Menschen, die in Not geraten sind. Ich habe einige Klienten, die zurückhaltende Menschen sind und sich schämen, dass sie Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssen. Wenn sie dann allein ins Amt gehen, gibt es nicht selten Probleme. Es entstehen oft Missverständnisse. Wenn die ehrenamtlichen VDK-Mitarbeiter sich darum kümmern, nehmen die Dinge eine ganz andere Wendung.

In welcher Hinsicht?

Das Verfahren kommt zügiger voran. Die Sachbearbeiter verhalten sich kooperativ. Wir fungieren als eine Art Moderator.

Ohne Moderator geht es schief?

Nicht immer, aber leider häufig. Das zeigt die Nachfrage in unseren Sprechstunden. Alleine in unserer Geschäftsstelle an der Schönen Aussicht 24 in Bad Homburg gibt es pro Jahr 700 Termine, an denen Menschen mit ihren Problemen zu uns kommen.

Mit welchen Probleme kommen die Menschen zum VdK?

Oft schildern sie uns, dass sie keine Arbeit mehr haben und ihnen das Geld ausgeht. Leider führt der Weg am Ende meistens ins Sozialamt. Wir können helfen, die komplizierten Anträge richtig auszufüllen. Auf jeden Fall sollte man sich beraten lassen, bevor man Sozialhilfe beantragt. Sprechstunden sind in Bad Homburg am Dienstagnachmittag und Freitagvormittag. In dringenden Fällen bin ich unter der 06172/488589 erreichbar. Wir nehmen uns die Zeit, die oft komplizierten Vorgeschichte der jeweiligen Armut anzuhören und Rat zu geben. Bei rechtlichen Konflikten mit der Behörde schalten wir auch schon mal die hauptberuflichen Juristen des VdK-Landesverbandes ein.

Interview: Klaus Nissen

Datum:  14 | 7 | 2010
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