Schornsteinfeger und Heizungsbauer kommen sich ins Gehege. Schon mehrfach hätten die Kaminreiniger im Hochtaunus illegal Heizungen gewartet, beklagt Wolfgang Lotz. "Das werden wir uns nicht gefallen lassen", sagt der Obermeister der 70 Betriebe umfassenden Sanitär- und Heizungsinnung für den Hochtaunus. Abmahnungsschreiben werde man losschicken, sobald wieder ein Schornsteinfeger beim hydraulischen Heizkörper-Abgleich oder beim Schrauben an Öl- und Gasöfen ertappt wird. Dieser Service sei nach der Handwerksordnung allein den Heizungs-Fachbetrieben vorbehalten.
Im Nachbarbezirk Friedberg haben die Schornsteinfeger sogar eine Einkaufsgemeinschaft für Heizungsmaterial gebildet, sagt der Oberurseler Heizungs-Meister Joseph Henrich. Das sei auch von der Systematik her nicht in Ordnung. Denn Heizungstechniker seien verantwortlich für Bau und Wartung der Anlagen - Schornsteinfeger hingegen seien quasi der Tüv für die Heizung, dürften also nur kontrollieren. Letztere seien befugt, einmal im Jahr jede Wohnung zu betreten und die Heizungsanlagen zu prüfen.
Das neue europäische Recht hat zu diesem Konflikt geführt. Vom Jahr 2013 an kommt der Schornsteinfeger nicht mehr jährlich, sondern nur noch zweimal in sieben Jahren zur "Feuerstättenschau" in den Heizungskeller. Die Hausbesitzer müssen sich dann nicht mehr so oft darüber ärgern, dass sie für einen zehnminütigen Besuch mehr als 50 Euro an den Bezirksschornsteinfegermeister überweisen müssen. Solche Themen behandelt übrigens die Internetseite www.kontra-schornsteinfeger.de. Die Kehrbezirke (in Bad Homburg und Oberursel jeweils fünf) werden von 2013 an nicht mehr auf Lebenszeit, sondern für sieben Jahre an einen Schornsteinfeger vergeben. Jeder Hausbesitzer kann frei wählen, welchen Kehr-Betrieb er auf sein Dach lässt. Damit entfällt für die schwarzen Männer die "Lizenz zum Gelddrucken", sagt Henrich mit sarkastischem Unterton. Es gebe keine garantierten Einnahmen mehr.
Suche nach neuen Geldquellen
Die Folge: Schon jetzt suchen sich die Schornsteinfeger neue Einnahmequellen. Ihr Präsident Hans-Günther Beyerstedt nennt unter anderem die Inspektion von Heizungen, den hydraulischen Abgleich, die Installation von Feuerlöschern und Rauchmeldern. Der Landesinnungsverband will sogar in Privathaushalten die Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen befördern und damit in den Emissionshandel einsteigen. Diese Idee und ihre Meinung zum Konflikt mit den Heizungsbauern wollte sich die FR vom Eppsteiner Innungsobermeister Matthias Dinges oder seinem Bad Homburger Stellvertreter Thomas Rühlemann erläutern lassen. Beide waren gestern nicht erreichbar.

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