"Little Wood" nannte die englische Landgräfin Elizabeth den Ort liebevoll. Und sie verbrachte viele Stunden im Kleinen Tannenwald, einem Teil der landgräflichen Gärten. Mit einer sogenannten "Badmaschine", einem im 19. Jahrhundert beliebten Badekarren auf Rädern, planschte Elizabeth dort auch gern in dem eigens angelegten Teich.
Jetzt hat die Stadt den dritten Bauabschnitt des 3,8 Hektar großen Areals landschaftsgärtnerisch fertiggestellt. Durch den Hauptzugang vom Mariannenweg aus gibt es dort nun bunte Pflanzbeete mit weiß und lila blühenden Funkien, Pfingstrosen und im Frühjahr blühenden Vinca. Auf stilvollen Bänken kann man dort rasten und den Blick über Buchskugeln, durch grüne Hainbuchen-Laubengänge und zu den weißen Kolonnaden schweifen lassen. Ein stiller Ort fürs Gemüt, für lauschige oder besinnliche Stunden, weit jenseits jeder städtischen Hektik und doch ganz dicht in der Stadt.
Georadar und Grabungen
Um die Anlage historisch originalgetreu nachbilden zu können, mussten Stadtplaner Jürgen Hölz und Landschaftsplanerin Elzbieta Dybowska erst einmal herausfinden, welche der im Stadtarchiv vorhandenen zahlreichen Pläne einst tatsächlich in die Realität umgesetzt worden waren. Denn auch vor 200 Jahren verschwanden manche Pläne einfach wieder in der Schublade. Mit Hilfe von Georadar wurden alte Wegführungen aufgespürt, archäologische Grabungen halfen zusätzlich. Das sogenannte Eingangsparterre wurde so seit Ende des vergangenen Jahres für fast 300000 Euro originalgetreu wieder hergestellt. Bislang hat die Rekonstruktion des Kleinen Tannenwalds bereits 2,4 Millionen Euro gekostet. Den größten Teil davon finanziert die Stadt, den Rest die Taunushang GmbH, das Land Hessen und der Förderverein Kleiner Tannenwald.
Die Geschichte des Kleinen Tannenwalds datiert zurück in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Damals wurden einige Nadelbäume inmitten der Taunus-Laubwälder angelegt, mit einem Nutz- und Lustgarten verbunden und das Ganze mit einer hohen Hecke umgeben. Friedrich V. Ludwig ließ den Wald im Wald 1772 für seine Frau Caroline im englisch-chinesischen Stil mit chinesischer Brücke über den Teich und Inselkolonnaden umgestalten. Elizabeth, die viel Geld und Energie in den Garten steckte, ließ dann eine Schweizerei und Meierei einrichten. Die ist noch vorhanden und soll langfristig ebenfalls wieder genutzt werden. Ob mit einem kleinen Café oder anderweitig ist noch offen.

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