Falls es Vampire wirklich gibt, so könnte das Auftragen dieses Duftstoffes für den Benutzer gewisse Risiken bergen. Sylvia Gregori aus Königstein hat ein Parfum auf den Markt gebracht, dem ein homöopathisch verdünnter Tropfen Blut beigemischt ist - und übernimmt für eventuelle Biss-Attacken keine Gewähr.
Sie selbst glaubt nicht an Vampire. Die leicht gruselig anmutende Inszenierung des "Blutparfums" für die Werbefotos ist reines Marketing. Die Burg Königstein als passende Kulisse war schnell gefunden, erzählt sie. Und so tummeln sich beim Fotoshooting Models in Lack und Leder, alles ist in Schwarz gehalten. Farbtupfer geben lediglich einige rote Rosen und Kerzen ab, die hier und da drapiert worden sind. Der leichte Nebel, der die Burg umhüllt, wirkt wie bestellt.
Eine alte Kiste im Keller
Die zierliche Parfumdesignerin steht am Rand und sieht den Aufnahmen zu. Ihren Lebensunterhalt bestreitet die in Königstein aufgewachsene Unternehmerin mit der Herstellung von Firmenpräsentationen. Dass sie sich jetzt in der Parfumbranche versucht, sei reiner Zufall, fängt sie an zu erzählten. Als sie vergangenen Sommer die Stufen in den Keller ihres alten Familienhauses hinab schritt, wollte sie endlich sehen, was sich dort verbarg. Zu Lebzeiten ihres Vaters sei ihr der Zutritt verwehrt gewesen.
Im Keller habe sie eine alte, verstaubte Holzkiste gefunden und darin, nebst zahlreichen Fotografien, Liebesbriefe ihrer Großtante aus dem frühen 20. Jahrhundert. Als junge Dame hatte sie sich bei einem Ausflug in einen Mann verguckt. Wie es das Schicksal wollte, lebte dieser weit entfernt. "Meine Großtante war von Sehnsucht gepackt", schildert Sylvia Gregori ihre Geschichte vom Ursprung des "Blutparfums". Die Briefe hätten ihren Wunsch dokumentiert, etwas zu finden, was die beiden für immer aneinander binden würde.
Also habe sich die alchimistisch bewanderte Großtante daran gemacht, ein Parfum zu kreieren. Orientalische Gewürzen hätten den Traum des Liebespaares symbolisiert, in ferne Länder zu reisen. Und ein Tropfen ihres "Herzblutes" sollte der Mixtur besondere Zauberkraft verleihen.
Die Großtante habe einige Zeit gebraucht, um die richtige Dosierung der Zutaten herauszufinden; das bewiesen mehrere niedergeschriebene Versuche. Die endgültige Rezeptur will Gregori auf einem Foto gefunden haben, das das glücklich zusammen alt gewordene Liebespaar zeigt.
Eine geschickte Marketing-Legende, um Parfum an morbid-romantische Fans der Gothic-Szene zu verkaufen? Die duftmischende Großtante habe es wirklich gegeben, versichert Gregori. Und ergänzt, dass man bei ihr auch ein Basisparfum bestellen könne, das jeder mit einem Tropfen seines eigenen Blutes veredeln könne. Die Rezeptur verlange, dass es sieben Tage verschlossen im Dunkeln ruhen und am siebten Tag exakt um Mitternacht geöffnet werden soll.
Ihr "Blutparfum" vertreibt Gregori nun in winzigen Flakons, wahlweise mit einem verdünnten Tropfen ihres Blutes vermengt oder zum Selbermischen mit Anleitung - auf dass die Liebe ewigen Bestand haben möge. Und ein Buch über ihren Fund will sie auch noch schreiben.

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