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Kommentar: Offene Wunde Containerlager

Den Taunus zur "Modellregion Integration" zu machen, ist eine gute Idee. Schade, dass dabei keiner an die Bewohner des Container-Lagers in Oberursel denkt. Von Klaus Nissen

Klaus Nissen ist Büroleiter der Frankfurter Rundschau in Bad Homburg.
Klaus Nissen ist Büroleiter der Frankfurter Rundschau in Bad Homburg.
Foto: Privat

Ein interessantes Projekt haben sich die Chefs der Sozial- und Ausländerbehörden ausgedacht. Die Idee der "Modellregion Integration" entstand laut Jörg-Uwe Hahn in seinem Ministerium und im Integrationsbeirat des Landes. Seit 2009 entwarf die Projektkoordinatorin Uta George im Bad Homburger Landratsamt ihr Konzept des Intensiv-Coachings für langzeitarbeitslose Familien mit Migrationshintergrund. Die seit vielen Jahren vor Ort aktiven Ehrenamtlichen und Ausländerbeiräte wurden erst bei einer Präsentation am 22. März über Details informiert. Besser wäre gewesen, sie schon vorher um Rat zu fragen. Schwamm drüber! Das Projekt kann ein Erfolg werden. Wenn nicht, weiß man zumindest, wo- ran die gewünschte Integration scheitert. Vielleicht will gar nicht jeder eingedeutscht werden.

Schade, dass die Integrations-Offensive sich nicht auch an die rund 130 Bewohner des Container-Flüchtlingslagers in Oberursel richtet. Die meisten müssten nach der Ablehnung ihres Asylbegehrens Deutschland verlassen, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Müsse. Integrationsmaßnahmen findet er deshalb bei ihnen überflüssig. Dabei leben viele Bewohner schon bis zu zehn Jahren im Kreis. Und die Duldung dieser "Altfälle" wurde jüngst um zwei Jahre verlängert. Es reicht nicht, wenn Müsse und Landrat Ulrich Krebs auf ihre Bemühungen verweisen, die Familien aus dem Containerdorf in "richtige" Wohnungen umzuquartieren.

Krebs ärgerte sich, als ihn Journalisten gestern im Beisein von Minister Hahn auf die schlechten Lebensbedingungen im letzten hessischen Container-Flüchtlingslager ansprachen. Er konterte: Manche Bewohner wollten lieber im Container wohnen bleiben als in den Hintertaunus zu ziehen. Auch falls das stimmen sollte, gebietet der menschliche Anstand die schnellstmögliche Schließung der Blechkisten-Elendssiedlung. Sie ist die offene Wunde in der Ausländerpolitik des Kreises.

Autor:  Klaus Nissen
Datum:  30 | 3 | 2010
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