Der Hochtaunuskreis plant, einen höheren Anteil am Energieversorger Süwag zu kaufen. Er habe schon jetzt 442000 Aktien im Tresor, teilte CDU-Fraktionschef Gregor Sommer am Montagabend vor dem Kreistag mit.
Neben CDU und SPD stimmten auch große Teile der Opposition dafür, den Kauf weiterer Aktien zu prüfen. Das Geschäft soll sich selbst finanzieren: Die Verwaltung prüft, wie man den Aktienkauf mit der Dividende aus diesen Anteilsscheinen bezahlen kann. Rund 1,10 Euro Gewinnbeteiligung bot die Süwag für 2010 pro Aktie; also kassiert der Kreis schon in diesem Jahr aus seinem bestehenden Aktienpaket knapp eine halbe Million Euro.
Die in Frankfurt-Höchst sitzende Süwag versorgt im Rhein-Main-Gebiet rund 700000 Haushalte mit Strom und Gas, vor allem im Frankfurter Westen und in den drei Taunus-Landkreisen. Das Unternehmen gehört bislang zu 77,58 Prozent dem Energiekonzern RWE. Der hat angekündigt, er wolle bis Mitte 2012 seine Aktien für 22,55 Euro pro Stück verkaufen. Seitdem diskutieren Politiker im Rheingau-Taunus-Kreis und Main-Taunus über den Verkauf ihrer eigenen Aktienpakete im Wert von jeweils etwa 15 Millionen Euro zwecks Geldbeschaffung.
Frankfurts Kämmerer Uwe Becker plant dagegen, mit anderen Kommunen und Kreisen Süwag-Aktien zu kaufen. Es ist für sie die Chance, mehr Einfluss auf die Energieversorgung zu bekommen. „Wir vermeiden, dass ausländische Konzerne ein Bein in die Tür bekommen“, sagte CDU-Fraktionschef Sommer vor dem Hochtaunus-Kreistag. Das Bad Homburger Stadtparlament lässt seit Oktober prüfen, ob und wie die Stadtwerke ebenfalls Aktien kaufen können.
Im Kreistag sitzen auch Skeptiker. Der Grüne Sebastian Schaub meinte: „Es ist nicht Aufgabe des Kreises, die Versorgung der Bürger sicherzustellen.“ Der FDP-Fraktionschef Stefan Ruppert fragte, woher das Geld für den Aktienkauf kommen solle, wenn der Kreis schon ein Defizit von 30 Millionen aufweist. Auch die bislang genannten Motive für den Sinn des Zukaufs reichten ihm nicht aus. „Der Staat ist nicht der bessere Energielieferant“, sagte Ruppert. Er müsse nur den Rahmen für wirtschaftliches Handeln setzen. Neben der FDP lehnte auch der Pirat Michael Geurts den Prüf-Auftrag zum Aktienkauf ab.

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