Ein "Hessen-Campus" - das würde dem "wichtigsten Bildungsstandort im Kreis" gut zu Gesicht stehen. Ein Lern-Campus, auf dem Volkshochschulen, Berufs- und Abendschulen, am besten auch noch IHK und Handwerkskammer und private Einrichtungen ein "Zentrum lebenslangen Lernens" bieten. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) wäre sofort dabei. "Das würde gut nach Oberursel passen", sagt Brum - und hat dabei auch schon den passenden Standort im Sinn, nämlich das ausbaufähige Schulgelände an der Hochtaunusschule.
Mit am Tisch bei Brums Einwurf: Noch-Kultusminister Jürgen Banzer (CDU), IHK-Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung, Brigitte Scheuerle, Landrat Ulrich Krebs (CDU) und der Leiter der Hochtaunusschule Dieter Häußer. Banzer hatte den ersten Ball geworfen, die Berufsschulen als geeignet erklärt, zum Zentrum für lebenslanges Lernen zu werden, das die Weiterbildung auch für Erwachsene sichere. Das Modell Hessen-Campus eben, das die Landesregierung 2007 etabliert hat und bisher in acht Pilotregionen mit mehr oder weniger Erfolg getestet wird.
Keimzellen erhalten
Im Hochtaunuskreis ist der Campus bisher nur Zukunftsmusik. Im Landratsamt beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit dem Thema, mehr als eine vage Absichtserklärung gibt es noch nicht. Von "ersten konzeptionellen Überlegungen" spricht Carsten Koehnen vorsichtig. Der Leiter der Volkshochschule Hochtaunus in Oberursel redet darin mit - und steht auf Brums Seite: "Wir sind bereit, Oberursel kann ich mir gut vorstellen."
Knackpunkt für den VHS-Leiter ist die Organisationsform eines Lernzentrums mit vielen Beteiligten. Die der einzelnen Akteure dürfe jedenfalls nicht zerstört werden, "aufgehen in einem neuen Brei". Seine Volkshochschule und die Berufsschulen sieht er als "Keimzelle", aber auch IHK und Handwerkskammer müssten mit ins Boot. An der gut ausgerüsteten Hochtaunusschule anzudocken, hält Koehnen für eine sinnvolle Idee. Wichtig seien "gleichberechtigte Partner", die vernetzt arbeiten und Synergien etwa über die EDV-Infrastruktur nutzen könnten. "Nicht viel rumgekommen" sei bisher beim Campus Hessen, findet indes die eher skeptische IHK-Ausbilderin Scheuerle. "Weiterbildung ist auch ein Markt", darin sieht sie das Problem bei allein 350 Bildungsanbietern im IHK-Bezirk plus Weiterbildungsabteilungen in großen Unternehmen und Branchenverbänden. "Infrastrukturelle Synergieeffekte" würde auch sie begrüßen, planbar sei ein Campus aber nur schwer. Einen Platz am Runden Tisch würde Scheuerle nicht ausschlagen. "Das Thema muss in die Köpfe."
Schwieriges Modell
Ohne klare Zuständigkeiten sieht auch der Leiter der Hochtaunusschule, Dieter Häußer, den "Einstieg in das Modell schwierig". Der Weiterbildungsmarkt sei als Wirtschaftsfaktor besetzt, eine "totale Verzerrung" drohe, wenn keine gleichen Marktbedingungen mehr herrschten. Lebenslanges Lernen mit der Hochtaunusschule als Campus sieht Häußer erst in der "weiteren Entwicklung". Wenn die potenziellen Partner zusammenkämen, sei Oberursel aber als "Stadt der Schulen schlechthin ein guter Standort".
Wo das passieren könnte, ist für Bürgermeister Brum schon klar. Das Schulgelände an der Bleibiskopfstraße mit Hochtaunusschule und Erich-Kästner-Schule biete "durchaus Erweiterungsmöglichkeiten". Das habe die Stadt extra freigehalten. Gedankenspiele, die Feldbergschule auch dorthin zu verlagern, gab es schon vor Jahren. Das Schulzentrum sei über das Gewerbegebiet Drei Hasen auch für überörtlichen Verkehr top angebunden - "eine gute Perspektive", so Brum. Noch aber ist nicht einmal entschieden, ob das Campus-Modell "nur virtuell sein soll oder auch physisch verortet werden sollte", wie es im Landratsamt heißt.

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