Er hält es wohl für einen starken Auftritt. Kurz bevor Dominic S. wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird, betritt er den voll besetzten großen Saal des Landgerichts. Den mit 22 Jahren früh kahl gewordenen Kopf ziert eine Baseballkappe, um den Hals hängt eine Goldkette, er trägt ein "Böhse Onkelz"-T-Shirt. Dann dreht er den Kopf zur Wand, präsentiert seinen Rücken. "Gehasst, verdammt, vergöttert" ist dort zu lesen.
Seine beiden Mitangeklagten (18 und 22) sitzen da wie geprügelte Hunde und hören sich ihre Urteile an: 15 Jahre Freiheitsstrafe beziehungsweise eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren. "Der mit der Kappe war der Schlimmste", raunt ein Prozessbeobachter seinem Nachbarn zu. "Wenigstens ist der jetzt aus der menschlichen Gesellschaft erst mal fort."
"Just for fun", so formuliert es die Richterin, hätten die drei am 15. April 2009 den 24-jährigen Markus L. ermordet. "Totgeschlagen, totgetreten, gedemütigt und erniedrigt" hätten sie ihn, sagt die Richterin. Man könnte auch sagen: zu Tode gefoltert. Mindestens zwei Stunden dauerte das Martyrium, das in einem Obdachlosen-Containerdorf nahe der Saalburg begann und in einer Hütte am Wald sein grausames Ende fand. Die jungen Leute haben alles gefilmt. "Geil, das muss ich aufnehmen", hört man einen von ihnen sagen, während Markus L. gerade stirbt. Markus L. starb ohne jeden Grund. Seit Monaten war der schmächtige junge Mann das bevorzugte Opfer von Dominic S. Er verdrosch ihn, ließ sich dabei filmen. Es schaffte ihm Befriedigung, sich diese Folter-Videos anzusehen und anderen zu zeigen. "Er selbst, der am Rande der Gesellschaft stand", so die Richterin, habe einen gefunden, durch den er der Größte sein konnte. Im Container-Dorf, "einem Mikro-Kosmos der Gewalt".
Dort konnte Dominic S. zeigen, wo´s langgeht. "Ich bin der schlimmste Mensch, mit dem man sich anlegen kann", hatte er Markus L. einige Tage vor der Tat angeschrien, während er ihm das Gesicht zu einer blutigen Masse zerschlug. Es existiert ein Handy-Film davon. Er hatte gute Quoten im Container-Dorf.
Dominic S. hört das Urteil ohne jede Regung. Als Mordmerkmal nennt das Gericht die "niedrigste, besonders verachtenswerte Stufe der Beweggründe" - nämlich keinen, bis auf die bloße Lust am Töten. Dominic S. scheint das nicht zu kümmern. Es wirkt, als rüste er sich für die Welt, die er nun betritt. Eine Welt mit strengen Hierarchien, mit Opfern und Tätern, in der Gewalt oft das stärkste oder einzige Argument ist. Es ist jetzt seine Welt. Ein Leben lang.

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