Er war nicht ab- oder untergetaucht, wie böse Zungen unterstellten. Nein, den zweimonatigen Kuba-Urlaub hatte er schon lange gebucht. Damals sei als Termin für die Oberbürgermeisterwahl noch der 7. Juni im Gespräch gewesen. Sein langes Schweigen und plötzliches Auftauchen als OB-Kandidat ist also keine geschickt geplante Inszenierung. Seit Mittwoch ist er wieder da und nun will er "nicht viel Zeit verlieren" und startet durch.
Mindestens 98 Unterstützerunterschriften braucht er jetzt. Denn er will sich nicht als Kandidat seiner Partei, der Grünen, bewerben, sondern als Unabhängiger. "Das ist wohl die geringste Hürde. Wenn ich die nicht in zwei Tagen beisammen habe, brauche ich erst gar nicht anzutreten", sagt der 56-Jährige lachend. Der Wahltag sei sein "ganz persönlicher Glückstag", denn am 26. April vor 57 Jahren ist er in Bad Homburg geboren worden und hat Kirdorf seither nur zum Studium oder für ausgedehnte Reisen verlassen.
Im hessischen Umweltministerium war der heute 56-Jährige zehn Jahre lang zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Dort war Joschka Fischer drei Jahre lang sein Chef. Im Umweltministerium blieb Korwisi auch noch nach dem Regierungswechsel, dann unter dem CDU-Minister Wilhelm Dietzel. Ursprünglich hatte Korwisi in Frankfurt Englisch und Russisch für das Gymnasiallehramt studiert.
1978 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Grünen, 1985 bis 1991 arbeitete er als Geschäftsführer der Landespartei.
Stadtverordneter der Bad Homburger Grünen war er von 1981 bis zu seiner Wahl als Stadtrat im September 2001. Im Oktober 2006 wurde er nach dem Wechsel der politischen Mehrheiten im Stadtparlament vorzeitig abgewählt.
Für viele wählbar sein
Doch allein aufs glückbringende Datum möchte sich der ehemalige Bad Homburger Stadtrat nicht verlassen. Deshalb tritt er an mit einem "Programm Korwisi", das ihn für mehr als Grüne Wählerschichten wählbar machen soll. "Ich habe bereits als hauptamtlicher Stadtrat gezeigt, dass ich kein Parteiideologe bin", sagte er gestern im Gespräch mit Journalisten. Als "wählbare Alternative" bezeichnet er sich mit Blick auf Amtsinhaberin Ursula Jungherr (CDU) und entwickelt sein Profil aus den bei ihr ausgemachten Defiziten. Ein Oberbürgermeister müsse kommunikativ, seine Arbeit transparent und bürgernah sein.
Ganz ähnlich hatte Alfred Etzroth argumentiert, der CDU-intern knapp unterlegene Gegenkandidat zu Jungherr. Bürger müssten besser in politische Entscheidungen eingebunden werden, sagt auch Korwisi. Er will da Boden gut machen, wo ihn die Amtsinhaberin verbrannt hat.
Beispiel Pestalozzischule: Korwisi will den Schulneubau gern auf den Festplatz aufs Gelände der Alten Feuerwache holen und nicht an den Platzenberg.
Dort macht eine Bürgerinitiative seit Monaten gegen die Entscheidung der Stadtverordneten mobil. Die kleine Lösung für das Louisencenter sieht er bereits vor Gericht scheitern. Er wolle Stadtpolitik nicht vor Verwaltungsgerichten austragen lassen, sagt Korwisi. Den kurzen Tunnel an der PPR-Kreuzung hält er für falsch, will in Ober-Eschbach keine kleine, sondern eine Fünffeld-Sporthalle neu bauen und auf dem brachliegenden Vickersgelände nicht Gewerbe ansiedeln, sondern Wohnungen bauen.
"Ich hatte genug Zeit und keine Ablenkung, um darüber nachzudenken, was wichtig für die Stadt ist", sagt Korwisi. Unterstützer im Wahlkampf sucht er jetzt bei prominenten Bad Homburgern.

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