Sie will nie wieder zu ihm zurück. Das erste Mal war sie noch dumm gewesen, sagt Anna Meier*. Sie sei wieder zu ihrem schlagenden Ehemann zurückgekehrt. Meier wurde vor einigen Monaten im Frauenhaus Oberursel aufgenommen, die Polizei hatte sie vermittelt.
"Damals war ich völlig fertig", erzählt sie. Im Jahr davor habe sie schon einmal in das Frauenhaus in Frankfurt fliehen müssen, habe dann aber die falsche Entscheidung getroffen. Die Rückkehr zu ihrem Mann endete schließlich im Krankenhaus. Heute sind in ihrem Gesicht keine Spuren von Gewalt mehr zu erkennen. Sie trägt einen braunen Pullover, Jeans, keinen Schmuck.
Ihr Blick ist unverstellt, offen, und wenn sie von den Frauen erzählt, die ihr geholfen haben, dann lächelt sie. "Eine Mitarbeiterin des Frauenhauses hat mich damals vom Krankenhaus abgeholt", erzählt sie. Auch zum Sozialamt begleiteten die Frauen sie, denn Meier war Hausfrau und finanziell von ihrem Mann abhängig. Sie will bald eine Arbeit finden, für sich selbst sorgen.
Bis es soweit ist, teilt sie sich mit circa 11 Frauen Bad und Küche. Die Plätze sind rar Wenn eine Frau sich beim Frauenhaus oder in der Beratungsstelle meldet, wird zunächst ausgelotet, ob sie eine Kandidatin für das Frauenhaus ist oder weiter vermittelt werden muss: "Wir nehmen keine Obdachlosen, Suchterkrankten oder Frauen mit psychischer Erkrankung auf", so Uta Schmidt*, eine von fünf Teilzeit-Diplompädagoginnen im Frauenhaus. Das wirke sich negativ auf die anderen Frauen aus. Dann werde für die Frau einer der raren Plätze gesucht, zurzeit eine besonders schwere Aufgabe: "Wir sind vollkommen überbelegt".
In diesem Sommer seien die Anfragen inflationär gestiegen. So gingen im Jahr durchschnittlich 200 Notrufe ein, dieses Jahr seien es schon jetzt 150. "Und die Weihnachtszeit, in der die Gewaltbereitschaft traditionell steigt, steht uns auch noch bevor.", so Schmidt. Meier ist für ihren Platz dankbar: "Ich fühlte mich von Anfang an im Haus wohl". Wie etwa ein Viertel der Frauen will Meier in eine eigene Wohnung ziehen. Sie hat ein Jahr Zeit, denn länger darf keine Frau im Frauenhaus bleiben.
Die Wohnsituation ist momentan schlecht, nur wenige Wohnungen werden laut Schmidt im Hochtaunuskreis noch gebaut, die sich auch eine Sozialhilfeempfängerin leisten kann. Daher müsse das Frauenhaus immer öfter Briefe an den Kreis schicken, in denen sie dazu auffordern, den anfragenden Frauen eine Wohnung zuzuweisen. "Meist bekommen sie dann Angst", so Schmidt.
Ein Obdachloser könne nämlich das Recht auf eine Unterkunft geltend machen und dann sei der Kreis gezwungen, im Notfall einen teuren Hotelaufenthalt zu finanzieren. Die Mehrzahl der Frauen gehen jedoch wieder zu ihren Ehemännern zurück. Schmidt kann für diese Frauen nichts tun, denn sie entscheiden letztlich selbst. Auch könne Schmidt keine Frau zwingen, ihren Mann anzuzeigen, was die wenigsten täten. Oft liefen sie dadurch Gefahr, ernsthafte Schäden davonzutragen.
Eine andere Gefahr sieht Schmidt in der Freiwilligkeit, auf der die öffentliche Finanzierung der Frauenhäuser basiert: "Wir brauchen ein Landesgesetz, dass die Kreise verpflichtet, Frauenhäuser zu finanzieren". So seien 2004 viele Gelder von den Kreisen gestrichen und einige Frauenhäuser geschlossen worden. Dies dürfe nicht noch einmal passieren, denn die vielen Anfragen bewiesen, wie wichtig Frauenhäuser seien.
*Name von der Redaktion geändert

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