Wie ein Bettler steht die Stadtbücherei da. Das teure Schmuckstück, das die Stadt immer wieder gut ausgestattet hat und sich jährlich inzwischen mehr als eine Million Euro kosten lässt, hofft auf Buchpaten, um aktuelle Literatur anbieten zu können. Personal- und Mietkosten sind die dicksten Brocken, für den wichtigen Posten Medienetat bleibt nicht mehr genug übrig. Am „unteren Rand“ angekommen sieht Sozialdezernent Christof Fink (Grüne) die vielfach preisgekrönte Stadtbücherei, die dennoch jährlich Rekordergebnisse meldet. Zuletzt für 2011 fast 340.000 Ausleihen von 167.000 Menschen, ein Plus von fünf Prozent.
Um mehr als die Hälfte wurde der Medienetat im ersten Akt der Haushaltskonsolidierung vor Jahresfrist gekürzt. Von 60.000 auf 25.000 Euro, gerade noch orientiert an der Vorgabe der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken, 50 Cent pro Einwohner jährlich in neue Medien zu investieren. Die andere Empfehlung, jährlich zehn Prozent des Bestandes zu erneuern, ist damit schon nicht mehr machbar.
„Leseleinen“ zieren seit kurzem die Schaufenster der Stadtbücherei am Marktplatz. An den Leinen hängen Zettel, darauf hat das Büchereiteam um Chefin Claudia Hannes Wunschtitel notiert. Bücher, die sie gerne an ihre Kunden verleihen würden, sich aber angesichts eines reduzierten Medienetats nicht leisten können.
„Buchpaten gesucht“, ist die Aktion überschrieben. Wer sich beteiligen will, kauft ein gewünschtes Buch, liest es selbst und spendet es dann der Stadtbücherei. Das Buch bekommt einen Aufkleber mit Unterschrift des Spenders. Auf Wunsch werden die Namen der Spender auch auf der Homepage veröffentlicht.
Magistrat und Stadtparlament sprachen damals von einer „einmaligen Maßnahme“, im kommenden Jahr sind nun auch wieder 50.000 Euro vorgesehen. Sie sollen durch Zusatzeinnahmen finanziert werden. 17.500 Euro mehr will die Stadt durch einige Änderungen erwirtschaften, die in den Fachausschüssen bereits beschlossen wurden. „Wir wollen einen Medienetat von 50.000 Euro sicherstellen“, so Fink im Sozial- und Kulturausschuss, der passend zur Angelegenheit in der Stadtbücherei zu Gast war.
Spürbar wird dies für die Nutzer der Stadtbücherei durch eine erhöhte Jahresgebühr, die von zehn auf 15 Euro steigen wird. Dies gilt für Erwachsene ab 18 Jahren, bei derzeit 2600 Ausweisen würden 13.000 Euro mehr in die Stadtkasse fließen. Verdoppelte Mahngebühren sollen den Rest bringen. Ändern will die Stadt auch die Gebühr für eine Internetnutzung. Wenn demnächst WLAN-Zugänge zur Verfügung stünden und Besucher das Internet auch mit eigenen Medien nutzen könnten, sollen sie dafür eine Gebühr von 50 Cent pro halbe Stunde bezahlen, sofern sie keinen Leseausweis besitzen.
Als die Nutzergebühr 2004 eingeführt wurde, um 35.000 Euro Einnahmen zu generieren, stimmten die Grünen noch dagegen, nun sind sie, wenn auch „mit Bauchschmerzen“, so Christina Herr, bei der Erhöhung dabei. Der erwartete Effekt sei nicht eingetreten, die Entwicklung der Nutzerzahlen sei weiter auf Steigerungskurs. Bis Ende Oktober wurden schon 293.000 Ausleihen von 150.000 Menschen registriert.
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