Zwei schlafende Katzen sind ein beruhigender Anblick. Auch wenn sie im Ruheraum einer Tierarztpraxis liegen. Gut zu wissen, dass die beiden nicht krank sind und es sich hier eher um Testschläfer handelt. Die Tiere gehören Michael Streicher, der am heutigen Dienstag seine Praxis in der Oberurseler Fischbachstraße eröffnet. Es ist die erste ärztliche Einrichtung in Hessen, die sich ausschließlich dem Wohlergehen von Katzen widmet. Deutschlandweit ist es die dritte ihrer Art.
Der Tierarzt und seine drei Helferinnen bieten auf 300 Quadratmetern und drei Etagen alles, was zur Behandlung der Vierbeiner notwendig ist. Labor und Röntgengerätschaften gewährleisten schnelle Diagnosen. Im ersten Stock kann per Ultraschall Bauchraum und Harnblase durchleuchtet werden, Operationen lassen sich in einem separaten Raum ausführen. Abgerechnet werde am Ende nach der veterinärmedizinischen Gebührenordnung.
"Wenn eine Katze krank ist, dann richtig", sagt der 35-jährige Frankfurter, während er die Tür zu seinem Lieblingszimmer öffnet. Hier ruhen seine beiden Katzen in beheizbaren Boxen, die per Rollo verdunkelt werden können. Platz finden zehn Miezen, einzeln untergebracht und von leiser Musik umschmeichelt. Unter der Dachschräge befindet sich eine Dienstwohnung, in der die Nachtwache ihre Stunden verbringen kann. Die Praxis, geplant für den Einsatz von vier Ärzten, ähnelt einer kleinen Klinik. Zwei Jahre habe man im gesamten Umland nach einem geeigneten Haus gesucht, sagt Streicher, der in Dornholzhausen aufgewachsen ist. "Hier kann ich meine Ideale verwirklichen."
Einheitliche Farbgestaltung
Anregungen hat er während seiner vierjährigen Ausbildung zum Fachtierarzt gesammelt. Die Spezialisierung auf eine Tierart sei in den USA und Frankreich ganz normal: "In Deutschland hinken wir da etwas hinterher." Individuelle Beratung und Betreuung in freundlichem Ambiente verspricht der Veterinär in seiner Katzen-Praxis. Es sei auch von Vorteil, dass die kleinen Raubtiere hier unter sich bleiben könnten. Mit dem Auftauchen eines Hundes im Wartezimmer wäre die schöne Ruhe dahin, an eine ordentliche Untersuchung kaum mehr zu denken. Apropos Ambiente: Eine einheitliche Farbgestaltung in Dunkelbraun und Weiß zieht sich durch alle Räume, das Logo stammt von einem Grafiker und statt Werbeposter zieren Katzenbilder der jungen Künstlerin Nadine Hornen die Wände.
Ob sein Konzept angenommen wird, weiß Streicher nicht - aber: "Der Markt ist da." Er denkt an die vielen Katzenfreunde aus dem Rhein-Main-Gebiet, deren Ansprüche erfüllt werden sollen. Es ist die Leidenschaft für ein undressierbares Wesen, die ihn antreibt. Trotz aller Krisen bleibe die Liebe zum Tier eine Konstante, ein Zeichen der zivilisierten Welt.

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