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Oberursel: Für Möbel fehlt das Geld

Manche Flüchtlinge ziehen aus dem Containerdorf "An den Drei Hasen" in schlichte Wohnungen in Oberursel und Umgebung. Aber noch immer leben fünf Familien am Rande des Gewerbegebiets.

Wohncontainer der Flüchtlingsunterkunft am Rande des Gewerbegebiets An den Drei Hasen.
Wohncontainer der Flüchtlingsunterkunft am Rande des Gewerbegebiets "An den Drei Hasen".
Foto: ddp

"Rentner, Kinder & alte Häuser. Bitte Zone 30 beachten.“ Das liebevoll gemalte Schild passt zu der gutbürgerlichen Atmosphäre in der Akazienstraße, wo Familienwagen vor den sauber verputzten Häusern parken. Nur vor einem Haus parkt kein Auto, und von der Außenfassade bröckelt der Putz. Auf 51 Quadratmetern in diesem Haus wohnt die Chinesin Cai Li (Name geändert) mit ihren Kindern. Sie sind „Geduldete“ – also Ausländer, deren Antrag auf Anerkennung als Flüchtlinge zwar abgelehnt wurde, die zurzeit aber nicht abgeschoben werden können.

Li lebt seit etwa sechs Jahren in Deutschland. Zuerst im Containerdorf an den Drei Hasen, seit zwei Jahren in der 51-Quadratmeter-Wohnung in Oberursel – eine Verbesserung, wie sie findet: „Ich bin froh, nicht mehr in den Containern zu wohnen“. Dort hatten sie 25 Quadratmeter zur Verfügung, außerdem seien ihre Kinder dort oft krank geworden. In Lis Wohnung befinden sich zwei kleine Schränke, zwei nicht funktionierende Fernsehgeräte und eine Matratze, die an die Wand gelehnt ist, damit die Kinder mehr Platz zum Spielen haben. „Das ist eine der besseren Unterkünfte“, sagt Peter Lübke (Name geändert), der Li und anderen Flüchtlingsfamilien hilft.

Etwa 50 Menschen sind bislang aus dem Containerdorf in meist schlichte Wohnungen der Umgebung umgezogen. Noch immer leben laut Lübke fünf Familien mit neun Kindern im Containerdorf. Alle Familien sollten in regulären Wohnungen Platz finden, hatte der zuständige Kreisbeigeordnete Uwe Kraft (CDU) im vorigen Frühsommer verkündet.

Cai Li in der Akazienstraße braucht noch einige Möbelstücke, aber die kann sie sich – wie vieles andere – mit ihrem Asylregelsatz von knapp 224 Euro im Monat plus Kinderzuschlag (zum Vergleich: Hartz-IV-Regelsatz: 359 Euro) nicht leisten. Lübke hilft ihr dabei, Anträge zu schreiben, damit sie höhere Leistungen bekommt. Diese stehen ihr wahrscheinlich zu, da sie bereits länger als vier Jahre den Asylregelsatz erhält und nun auf Hartz-IV-Niveau aufgewertet werden müsste.

Trotz aller behördlichen Widrigkeiten in Deutschland will Li auf keinen Fall zurück nach China. Dort könne sie wegen der Ein-Kind-Politik des Regimes mit ihren Kindern kein würdiges Leben führen, sagt sie. Ihr Deutsch ist überraschend gut für jemanden, der sich alles selbst beibringen muss: „Ich schreibe mir abends Vokabeln auf, die ich über den Tag kennenlerne“, so Li. Ein Deutschkurs, sagt Lübke, sei für sie nicht finanzierbar. In der Oberurseler Volkshochschule werden nur Kurse angeboten, die Asylbewerbern 50 Prozent Gebührenermäßigung gewähren – nötig sei ein noch stärkerer Preisnachlass, wie in Bad Homburg.

„Es gibt anscheinend kein Interesse daran, die Integration dieser Menschen zu fördern“, sagt Lübke. Man gehe wahrscheinlich davon aus, dass sie sowieso abgeschoben würden. „Aber von den Flüchtlingsfamilien, die ich betreue, wurden in den vergangenen vier Jahren nicht einmal fünf Prozent abgeschoben.“ Es lohne sich also auch ökonomisch, in diese Menschen zu investieren.

Der Kreis hat die Betreuung der aus dem Sammellager gezogenen Flüchtlinge delegiert. Zuständig sei die Vogelsang GmbH, sagt der Kreisbeigeordnete Uwe Kraft. Und zwar nicht nur für „rechtliche Fragen oder bei gesundheitlichen Problemen, Formulierung von Briefen und Ausfüllen von Anträgen“, sondern auch „zur Hilfestellung auf dem Weg zur Selbstständigkeit und Integration“. Flüchtlingshelfer Peter Lübke kann dagegen „keinerlei Betreuung“ der mit dem deutschen Alltag wenig vertrauten Flüchtlinge erkennen: „Diese Leute sind sich völlig selbst überlassen.“.

Im Vertrag mit dem Kreis stehe, dass die Vogelsang GmbH Sozialarbeiter zu stellen habe. Das sagt ihr Geschäftsführer Albert Müller. „Ich selbst bin Diplom-Sozialarbeiter“. Daher habe er keine weiteren Sozialarbeiter für die 50 Personen eingestellt, die er betreut. Er komme anfangs regelmäßig, danach unregelmäßig bei den Familien vorbei. Gebe es Probleme, könnten die Bewohner ihn telefonisch erreichen.

Deutschkurse könne er seinen Flüchtlingen nicht anbieten, sagt Müller – die seien zu teuer. Die ihm vom Kreis zugewiesenen Tagessätze (derzeit sieben Euro pro Person) seien in den vergangenen 20 Jahren um knapp 70 Prozent gekürzt worden.

Autor:  Desirée Brenner
Datum:  13 | 1 | 2011
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