Die Bürger sollen profitieren von der Unterführung zwischen Bahnhofsvorplatz und Bommersheim mit Aufstiegsmöglichkeit zum Bahnsteig in der Mitte. Deswegen sind sie nun auch eingeladen zum ersten Spatenstich für die "Personenunterführung Ost (PU Ost)2". Mit Bürgermeister und Hessentagspaar, mit Planern und Architekten, mit Bahnexperten und all denen, die seit 20 Jahren oder länger vom Durchstich nach Süden träumen. Am Samstag um elf Uhr will Bürgermeister Hans-Georg Brum auf der neuen Großbaustelle neben dem verrottenden Bahnhofsgebäude ein "sichtbares Zeichen setzen". Knapp 14 Monate später soll der Durchgang begehbar sein und der bisher schmuddelige Bahnhof wieder für die Stadt werben.
Ein paar Meter westlich des neuen Tunnels, direkt neben dem immer noch beschrankten Bahnübergang Frankfurter Landstraße, sind hinter Gestrüpp und Bauzaun noch die letzten Relikte der alten Unterführung versteckt. Der Abgang in den gekachelten Untergrund, über dem einst eine Eisen-Glas-Konstruktion im Jugendstil das Dach bildete. Vor 20 Jahren wurde sie endgültig abgerissen, der zuletzt meist durchnässte und von Fäkalien beschmutzte Durchgang zur unteren Kastanienallee zugeschüttet. Die Bahn hatte der "Treppeneinhausung" mangelnde Standsicherheit attestiert, die Fensterscheiben waren meist zertrümmert.
Die Eisenbahnlinie für die Personenbeförderung wird 1860 in Betrieb genommen. Im Oktober wird der Betrieb um Güterbeförderung erweitert.
Die Frankfurter Lokalbahn AG eröffnet 1899 eine normalspurige Bahn vom Bahnhof zur Hohemark für den Güterverkehr zu den zahlreichen Fabriken im Urselbachtal.
Der heutige Bahnhof wird 1901 als "Zierde der Stadt" eröffnet.
Die elektrische Vorortbahn von Frankfurt bis Hohemark (heute U 3) wird 1910 in Betrieb genommen.
Der kleine alte Bahnhof am Stellwärterhäuschen westlich der Schranken wird 1977 abgerissen, ein Jahr später beginnt das S-Bahn-Zeitalter.
Das Bahnhofsgebäude wird 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Die städtische Sewo erwirbt es 2008 von der DB Immobilien der Bahn AG. (jüs)
Es gab Ende 1989 keinen Grund, die Unterführung zu retten. "Angesichts der Tatsache, dass an gleicher Stelle demnächst eine neue Fußgängerunterführung gebaut werden soll, die gleichzeitig Zugang zu den Bahnsteigen schaffen wird, hält es die Bundesbahn nicht mehr für vertretbar, noch Gelder zur Erhaltung und Sicherung zu investieren", schrieb die FR am 1. Dezember 1989. Für die neue Unterführung bestehe bereits Baurecht, realisiert werde das Projekt im Zusammenhang mit der Weingärtenumgehung und der dann geplanten Schließung des Bahnübergangs Frankfurter Landstraße für Fußgänger und Autos.
So, so, wird vielleicht einer der Festredner am Samstag anmerken, "demnächst" kann also auch einen Zeitraum von 20 Jahren definieren. Jetzt aber geht es wirklich los, am liebsten mit "großem Bahnhof". Wie vor sechs Jahren, als ein ICE auf Gleis 2 vorfuhr und auf den Namen "Oberursel" getauft wurde. Rund 1000 neugierige Oberurseler kamen damals zum Schauen und Jubeln. Der neue Bahnhof, hieß es da, werde bald fertig sein.
Der Baubeginn an der Unterführung soll nun das Zeichen setzen, dass vielleicht doch noch alles gut wird bis zum Hessentag 2011. Sie muss bis dahin fertig sein, das gilt auch für den Halt der U3 schräg gegenüber und den Bahnhofsvorplatz. Das Bahnhofsgebäude selbst wird wohl noch warten müssen. Wenn die PU Ost rechtzeitig fertig ist, könnte zumindest der verdreckte Durchgang zu den Bahnsteigen zugeschüttet werden, wie einst der Vorgänger an den Schranken.

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