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Oberursel: Guter Ausblick von Posten 11

Allen Abrissgerüchten früherer Jahre zum Trotz bleibt das alte Bahnwärterhäuschen als Reminiszenz an vergangene Tage stehen. Und wird im Zuge des Bahnhofsumbaus vielleicht zum Bauleitungsbüro. Von Jürgen Streicher

Ein Relikt der alten Eisenbahnzeit darf bleiben. Im Bahnwärterhäuschen sitzt vielleicht bald die Bauaufsicht.
Ein Relikt der alten Eisenbahnzeit darf bleiben. Im Bahnwärterhäuschen sitzt vielleicht bald die Bauaufsicht.
Foto: Schick/FR

Dem Denkmalschutz sei Dank. Und den geänderten Bahnhofsplänen. Weil die U-Bahnstrecke nach dem Aus für das Jahrhundert-Projekt Untertunnelung des Bahnhofsvorplatzes nicht dort verlaufen wird. Allen Abrissgerüchten früherer Jahre zum Trotz steht das alte Bahnwärterhäuschen immer noch direkt neben den Schranken zwischen den Gleisbetten von U- und S-Bahn.

Fast 20 Jahre war der Kleinbau mit verschiefertem Obergeschoss Vereinsheim für den Taunusklub. Die Wanderer haben das Stellwerk 11 an der Bahnlinie nach sechs Jahren zähen Ringens mit der Bahn bekommen, als die Stadt das inzwischen 110 Jahre alte Häuschen kaufen konnte. Seine ursprüngliche Funktion hatte es da längst verloren, in S-Bahn-Zeiten läuft alles vollautomatisch. Den Denkmalschutz für Posten 11 hatte das zuständige Landesamt damals noch abgelehnt.

An das Vereinsleben zwischen fahrenden Zügen haben sich die Wanderer schnell gewöhnt. Als Ende des 20. Jahrhunderts der Abriss wegen der Bahnhofspläne drohte, war das Gejammer groß. Zu gemütlich war es im Einraum-Obergeschoss mit Küchenzeile und passgenauer Eckbank im Polygonalerker an der Südostecke unter dem elegant konturierten Walmdach. Und mit freiem Blick in alle Gleisrichtungen, wie es die Schrankenwärter früherer Tage brauchten. Tausende Arbeitsstunden hat der Taunusklub in die äußere und innere Sanierung des Schmuckstücks investiert.

Ob das den Denkmalschutz auf den Plan gerufen hat, ist nicht überliefert. Nur irgendwann stand das Bahnwärterhäuschen mit drin im dreibändigen Werk über Kulturdenkmäler in Hessen, Abteilung Eisenbahnbauten. Da wurde der von der Stadt im Zuge des Bebauungsplanverfahrens Bahnhof und Vorplatz angestrebte Abriss vom Landesamt für Denkmalpflege im Januar 2008 abgelehnt. Die Aufnahme in den Katalog hatte bei der Stadt keiner so richtig mitbekommen.

Also bleibt das Häuschen mit Toilette und Mini-Vorgarten als Reminiszenz an vergangene Tage stehen. Und wird im Zuge des Bahnhofsumbaus vielleicht zum Bauleitungsbüro. Könnte sich Justus Förschner, der Geschäftsführer der Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Sewo) und damit des Investors, jedenfalls gut vorstellen. Habe man die Großbaustelle von dort oben doch komplett im Blick, wie er bei der Präsentation der Bahnhofspläne feststellte.

Der Taunusklub hat inzwischen übrigens ein neues Heim in Bommersheim gefunden.

Autor:  Jürgen Streicher
Datum:  22 | 4 | 2010
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