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Oberursel: Radeln auf eigene Gefahr

Das Oberurseler Parlament beschließt nach vier Jahren Diskussion ein Radverkehrskonzept für die Brunnenstadt. Doch viele Fragen sind noch offen. Von Jürgen Streicher

Radweg zwischen Oberursel und Bad Homburg.
Radweg zwischen Oberursel und Bad Homburg.
Foto: FR/Surrey

"Oberursel - die fahrradfreundliche Stadt": Das würde als Untertitel gut zum Motto des Hessentags in Oberursel im Jahr 2011, "Stadt der kurzen Wege", passen. Also steht es über den Zielen des Radverkehrskonzepts, das nun im Stadtparlament nach langen Querelen beschlossen wurde. Länger als ein Jahr lag es den politischen Gremien vor, doch "1000 interne Fragen", so Verkehrsdezernent Dieter Rosentreter (FDP) im Frühjahr, hätten den Beschluss immer wieder gebremst. Seit 2005 war die Überarbeitung des alten Verkehrsplans von 1995 Thema in den Fachausschüssen.

Manche heiklen Themen, etwa die offizielle Freigabe von Wirtschafts- und Forstwegen für den Radverkehr, wurden geklärt. Die von der Stadt beauftragten Darmstädter Verkehrsplaner befürworten das, einige Landwirte aber finden es überhaupt nicht gut, wenn Radler die Wege benutzen. Das Schild "Radfahrer frei" wird auf Wunsch der Landwirte an den befestigten Feldwegen fehlen, die Traktoren sollen weiter Vorrang haben, die Radler aber nicht verdrängen. Fahrradfahrer werden die Wege auf eigene Gefahr befahren können.

Mehr Radwege

Das Radverkehrskonzept 2009 ist eine Absichtserklärung. Der kontinuierliche Ausbau des Radwegenetzes bis 2020 ist das Ziel. Die Stadt soll für Radfahrer sicherer und attraktiver werden.

Konkrete Maßnahmen enthält das Konzept nicht. Alle Details müssen im Einzelfall geklärt werden. Das gilt auch für die Finanzierung aller Projekte, über die jeweils abgestimmt werden muss. Eine Gesamtsumme, die für die Verwirklichung der Anregungen aufgebracht werden muss, wird nicht genannt.

Separierte Radwege werden 2010 auf der Hohemarkstraße auf beiden Straßenseiten angelegt. In der neuen Adenauerallee zwischen Bären-Kreuzung und Bahnhof bekommen die Radler einen Schutzstreifen auf die Fahrbahn gepinselt. Wo Tempo 30 gilt, werden keine Schutzstreifen markiert. jüs

Heikle Fragen gibt es weiterhin, sie sollen im Einzelfall geklärt werden, wenn konkrete Maßnahmen anstehen. Etwa die Öffnung der Fußgängerzone im Bereich Epinayplatz oder der Verbindung zwischen Kumeliusstraße und Rathausplatz. Autos dürfen dort zu festgelegten Zeiten fahren, der Stadtbus quert den Epinayplatz immer, doch Radfahrer müssen in beiden Bereichen bisher offiziell absteigen. Die beauftragten Planer schlagen in ihrem Konzept in allen Fällen die Freigabe für den Radverkehr vor, die städtischen Verkehrsplaner und die Ordnungsbehörde tun sich schwer damit. Das gilt auch für die Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr in die Gegenrichtung.

Dies ist in einigen Straßen erlaubt, Unfallschwerpunkte sind sie nicht geworden. Die Polizeistatistik weist für 2006 nur 21 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern aus, ein Jahr später waren es 28 Unfälle mit knapp 50 meist nur leicht Verletzten.

Konkrete Vorschläge für die Regelung an gefährlichen Knotenpunkten beinhaltet die Studie nicht. Daher fehlen auch Kosten für Umbauten. Für die unter dem Punkt Kosten genannte überschaubare Summe von 170.000 Euro sollen Radfahrstreifen und Schutzstreifen markiert werden.

Autor:  Jürgen Streicher
Datum:  23 | 12 | 2009
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