Die OWG-Keimzelle an der Freiligrathstraße hat ein komplett neues Gesicht bekommen. Wo die Oberurseler Wohnungsgenossenschaft vor mehr als 100 Jahren ihre allerersten Häuser errichtet hat, ist ein Wohnquartier mit zehn Gebäuden gewachsen, die 75 modern ausgestatteten Wohnungen Platz bieten. Der zweite Bauabschnitt mit 45 Wohnungen ist nun fertig, sie können zwischen dem 1. Januar und dem 1. März im Monatsabstand bezogen werden.
Ihrem Anspruch gemäß hat die OWG auch jetzt wieder Mietwohnungen gebaut. Preiswertes Wohnen, wie es der 100 Jahre alten Philosophie der Genossenschaft geschuldet wäre, sei aber bei diesem Projekt nicht möglich gewesen, bekennt Geschäftsführerin Ursula Schymura. Dies sei vor allem dem hohen energetischen Standard geschuldet. Die neuen Mieter würden in Gebäuden mit „höchster Energieeffizienz“ leben. Der Energieaufwand soll nur 40 Prozent dessen betragen, was die aktuelle Energieeinsparverordnung vorschreibt.
Die OWG (Oberurseler Wohnungsgenossenschaft) verwaltete zum Jahresende knapp 1700 Wohnungen in Oberursel und Kronberg-Oberhöchstadt. Nur noch 465 davon sind öffentlich gefördert, 2009 waren es noch 40 Prozent.
Die Mitgliederzahl der Genossenschaft ist auf 4400 gestiegen. Neumitglieder zahlen einmalig 75 Euro und kaufen zwei Geschäftsanteile für 320 Euro. Diese werden seit vielen Jahren mit vier Prozent Dividende verzinst.
Die Bilanzsumme 2011 belief sich auf 49,5 Millionen Euro. Die durchschnittlichen Mietkosten (kalt) liegen noch immer unter sechs Euro pro Quadratmeter.
Das beschert den Mietern laut Schymura „alles andere als schöne Aufbauten“ in Form von großen Gitterkästen auf dem Dach. Sie umschließen die Lüftungsanlagen, die mit rund 80 Prozent Wärmerückgewinnung arbeiten. Eine Erdwärme-Anlage liefert Energie für Heizung und Warmwasser, kalkuliert wird mit Kosten von lediglich 50 Cent pro Quadratmeter Grundfläche. Die 45 Wohnungen des zweiten Bauabschnitts sollen soviel Energie verbrauchen wie die 30 Apartments auf der anderen Straßenseite.
Das neue Wohnen beschert den Mietern hohe Kosten, denn die Nutzungsgebühr, wie das bei der OWG heißt, beträgt 10,50 bis 11,50 Euro pro Quadratmeter für die Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen zwischen 65 und 130 Quadratmetern Wohnfläche. Tapezieren müssen die zukünftigen Bewohner selbst, Einbauküchen fehlen ebenfalls noch. Die Nachfrage war dennoch riesig, alle Mietverträge sind unterschrieben. Und die OWG hat auch neue Mitglieder gewonnen.
Die Kosten für Abschnitt 2 beziffert die OWG auf 10,5 Millionen, im ersten Teil wurden 6,5 Millionen Euro verbaut. Nun fehlt auf dem Gelände zwischen Berliner Straße und Herzbergstraße noch der Abschluss an der Berliner Straße. Dort soll ein Riegel entlang der U-Bahn-Linie entstehen, voraussichtlich werden es zwei Gebäude sein. Konkrete Baupläne gebe es noch nicht, sagt Schymura, kalkuliert werde mit einer „zeitnahen Realisierung“ binnen der nächsten drei Jahre.
Bauen will die OWG dann erst mal nicht mehr, alle Konzentration soll dem Sanierungsprogramm im Altbestand gewidmet werden. Zwischen 2,5 und 3,5 Millionen Euro sind dafür im Fünfjahresplan jährlich vorgesehen. Großprojekt 2013 werden Häuser in der Dornbachstraße und An der Friedenslinde sein. Dort sollen 24 Wohnungen für 1,4 Millionen Euro modernisiert werden, vor allem durch Wärmedämmung und Balkonanbau.
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