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Pestalozzi-Schule: Alltag im Provisorium

Die Pestalozzischule in Bad Homburg wartet dringend auf ihren Neubau. Wegen des Platzmangels bekommen die Schüler ihre Pausen im Schichtwechsel. Von Martina Propson-Hauck

Flügel in der Pestalozzi-Schule.
Flügel in der Pestalozzi-Schule.
Foto: FR/Djeddi

Grau und regennass ist der frühe Morgen, grau erscheint auch der Bau der Pestalozzischule an der Wiesbadener Straße, obwohl Schüler einige Wände bunt angemalt haben.

In einem Gang sind viele Stühle gestapelt. Schulleiterin Cornelia Schwarz-Mager bedauert. Ja, das verstößt wohl gegen so ziemlich jede Brandschutzverordnung in öffentlichen Gebäuden. Aber Platzmangel gebiert so manche Notlösung, manches Provisorium. Die Mängel in der Pestalozzischule sind beim Besuch offenkundig, niemand bestreitet sie ernsthaft.

Auch die Notwendigkeit eines Neubaus ist nicht strittig. Nur über dessen Standort wird seit vielen Jahren in zahlreichen politischen Gremien diskutiert. Viel zu lange, findet die Schulleiterin, die sich eigentlich nicht in die Politik einmischen möchte. Der Kreis als Schulträger tue sein bestes. Hier wurde schnell noch ein Raum geteilt , da ein Allzweckraum wenigstens mit Fenstern versehen.

Das Warten im Provisorium verlangt allen viel ab. Der Flügel steht mit den Tasten direkt vor der Wand, niemand kann so darauf noch spielen. "Der soll verkauft werden, weil er nirgends mehr hinpasst", sagt die Schulleiterin.

Musik wird in dem neuen "Allzweckraum" unterrichtet, in dem die Lehrer auch konferieren müssen. Tische und Stühle werden dann jeweils eben rein- oder rausgeschleppt, Trommeln und andere Instrumente in Wandschränken verstaut. In der Küche gibt es nur vier Kochstellen für 16 Schüler, die Tischtennisplatten für Sport und Spiel stehen in einem Lagerraum neben der Eingangstür, müssen erst mühsam herausgewuchtet werden. Das Schulleben im Provisorium ist äußerst mühsam.

Und damit sich die kleinen Kinder und die großen Jugendlichen auf dem viel zu kleinen Schulhof nicht in die Quere kommen, gibt es die Schulpausen bereits im Schichtwechsel: Erst toben die Jüngeren eine Viertelstunde draußen, während die Großen im Klassenraum ihre Pausenbrote verdrücken, dann umgekehrt.

Das Provisorium dauert nach dem Geschmack von Schülern, Eltern und Lehrern bereits viel zu lange an. Vor sieben Jahren hat Schwarz-Mager begonnen, neben der reinen Schule für Lernhilfe eine für den ganzen Hochtaunuskreis zentrale Sprachförderschule aufzubauen. Um 50 Prozent gewachsen ist die Schule seither.

Die Zahl der Kinder mit Sprachverabeitungsschwierigkeiten nimmt beständig zu, erläutert sie. Sie machen bereits mehr als 60 Prozent der Pestalozzi-Schüler aus. Als Gründe dafür zählt die Schulleiterin neben medizinisch bedingten Ursachen (wie Frühgeburten und frühkindliche Erkrankungen) zu viel Fernsehen, zu wenig sprachliche Zuwendung der Eltern, mangelnde Bewegungsangebote und dadurch Defizite in der Motorik auf. 250 Schüler soll die Schule im Endausbau haben, 185 sind es bereits.

"Unsere Schüler haben alle besondere Bedürfnisse", sagt Schwarz-Mager. Es sei bedauerlich, dass ausgerechnet diese Kinder in viel zu beengten Räumen unterrichtet werden, ohne Fachräume auskommen müssen und kein Mittags- oder Ganztagsangebot bekommen können.

Genau ein Jahr ist es her, dass die Bürgerinitiative Landschaftsschutz Platzenberg im Rathaus öffentlichkeitswirksam an die 3000 Unterschriften gegen den Neubau der Pestalozzischule in ihrem Wohnviertel hinterlegt hat. Im November demonstrierten im Bommersheimer Weg wieder Anwohner gegen die von ihnen erwartete Verkehrsbelastung. Die BI droht mit einem möglichen Bürgerbegehren, droht mit Klagen.

Die Kinder klagen nicht. Fünf Mädchen spielen im leichten Nieselregen Springseil und müssen sich einigen, wer zuerst springen darf. Das schaffen sie ganz ohne Streit. Die Schulleiterin beobachtet es still, mit einem Lächeln.

Autor:  MARTINA PROPSON-HAUCK
Datum:  20 | 1 | 2009
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