Ein Krimi ist ein guter Krimi, wenn die Bösen am Ende von den Guten geschnappt werden. Das bringt beim Fernsehen die Einschaltquote, bei der Kriminalpolizei die Aufklärungsquote. Und die lag im vergangenen Jahr bei der für den Hochtaunuskreis zuständigen Polizeidirektion Bad Homburg so hoch wie noch nie. Von 11625 Fällen haben die Beamte 6796 geklärt. Das heißt, in 58,5 Prozent aller Fälle konnte ein Täter ermittelt werden. Der Hochtaunuskreis liegt damit erstmals über dem hessischen Landesdurchschnitt.
Insgesamt mussten die Polizisten 2010 ganze 75 Fälle mehr aufklären als im Jahr zuvor. Die höchste öffentliche Aufmerksamkeit hatten die drei spektakulären Mordfälle im Taunus: Ein Schizophrener erstach im Januar in Bad Homburg eine alte Frau, die im Schlosspark spazieren ging. Ein Mann tötete im Dezember seine Ex-Freundin im Keller ihres Hauses, während die zwölfjährige Tochter mit dem neuen Lebensgefährten in der Wohnung auf sie wartete. Ein Oberurseler Veterinär wurde im Oktober von seinem Stiefsohn erstochen. In allen drei Fällen wurden die Täter gefasst, zwei davon dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht.
Insgesamt, so konstatierte Kriminaldirektor Gerhard Budecker am Donnerstag bei der Vorstellung der aktuellen Kriminalstatistik, gebe es im Hochtaunuskreis „keine auffälligen Negativentwicklungen“. Hatte er im vergangenen Jahr noch den starken Anstieg der sogenannten „Rohheitsdelikte“ beklagt, also zunehmende Gewalttätigkeit bei Schlägereien, so sanken diese Zahlen jetzt um mehr als zehn Prozent.
Das sei einer aktiven Präventionsarbeit zu verdanken, sagte Budecker. Bei den traditionellen Volksfesten zeige die Polizei mehr Präsenz, auf dem Bad Homburger Laternenfest warben Jugend-Scouts für weniger Alkoholkonsum, beim Usinger Laurentius-Markt gab es jetzt eine Alkoholverbotszone. Dort war vor zwei Jahren ein Jugendlicher bei einer Auseinandersetzung unter Alkoholeinfluss getötet worden.
Trotz der Einrichtung einer speziellen Tatortgruppe im vergangenen Jahr, die die Spurensicherung nach Einbrüchen deutlich verbessert hat, beklagt die Polizei zunehmend mehr schwere Diebstahlsfälle. Allein in Bad Homburg gab es fast 200 Einbrüche mehr in Läden und Büros sowie in Autos. Dabei geht es meist nicht um den großen Coup beim Juwelier. In Mainz hat die Polizei einen auch im Taunus aktiven Täter festgenommen, der Kleingeld gleich tütenweise gehortet hatte. Sein Betätigungsfeld: die Trinkgeld-Sparschweine in Friseursalons zu knacken.
Auch bei den Wohnungseinbrüchen ist die Tendenz steigend. Allerdings bleibt es häufiger beim Versuch: Zwei von fünf Wohnungseinbrüchen gehen schief. Immerhin sichern viele wohlhabende Taunusbewohner ihr Eigentum häufiger entsprechend gut.
Eingestellt werden soll künftig die bislang immer erstellte Sonderstatistik „Tatort Schule“: Diese weist für 2010 immerhin noch 261 Übergriffe an Schulen und in deren Umfeld aus. Allerdings fallen darunter allein 53 Fahrraddiebstähle, aber immerhin auch 20 Körperverletzungen, drei Bedrohungen und zwei räuberische Erpressungen. Die Zahl der Fälle sei stark zurückgegangen und rechtfertige den erheblichen Aufwand nicht mehr, erläuterte Budecker.
Bei der Betrachtung, wie die Straftaten auf die einzelnen Städte und Gemeinden des Kreises in Relation zu ihrer Einwohnerzahl verteilt sind, wird deutlich, dass die Menschen in Weilrod am sichersten leben – und die Homburger am gefährlichsten. In der Rangliste des Verbrechens folgen auf die Kurstadt Oberursel, Königstein, Friedrichsdorf, Steinbach, Usingen, Kronberg, Grävenwiesbach, Neu-Anspach, Wehrheim, Glashütten und Schmitten. Daraus lässt sich folgern: Die Verbrechen hängen mit der Nähe zu Frankfurt und einem S-Bahn-Anschluss zusammen.

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