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Poloturnier im Blumenfeld

Bad Homburg/Oberursel Ende August soll der königliche Sport erstmals im Taunus ausgetragen werden

        

Ross und Reiter könnten im August das Gras umpflügen.
Ross und Reiter könnten im August das Gras umpflügen.
Foto: DPA

Was trägt man als Zuschauerin zu einem Polospiel? Kleid und Hut wie in Ascot beim Pferderennen oder eher sportliche Eleganz und Understatement, vielleicht ein Polohemd? Während sich einige Damen der Hochtaunusgesellschaft bereits Gedanken über die passende Kleidung zu dem anstehenden Event machen, sind manch andere eher skeptisch, ob das Ganze überhaupt stattfinden wird.

Die Rede ist vom ersten Poloturnier im Taunus. „Auf dem neu angelegten Polo-Platz an der Niederstedter Straße findet vom 26. bis 28. August zum ersten Mal ein Polo-Turnier statt, die Berenberg Polo-Trophy“, heißt es verheißungsvoll im Veranstaltungskalender auf den Internetseiten der Stadt Bad Homburg.

„Es gibt in Bad Homburg keinen Poloplatz“, kommentiert der Pressesprecher der Stadt – und auch kein Poloturnier. Das nämlich soll knapp jenseits der Stadtgrenze im Stadtteil Oberstedten, also in Oberursel stattfinden. Einige landwirtschaftliche Flächen auf Oberstedter Gemarkung seien für das Event wohl ausgedeutet, bestätigt Oberursels Pressesprecherin Nina Kuhn. Ja, es sei um eine Genehmigung angefragt worden und nein, die sei bislang noch nicht erteilt. Schließlich müsse da die Untere Naturschutzbehörde noch ein Wörtchen mitreden. „Das wird nicht so ohne weiteres gehen, auch nicht auf die Schnelle“, schätzt ein Mitarbeiter der Behörde ein. Der Sachverhalt sei sehr komplex, die Genehmigung noch nicht erteilt, sagt der Behördenleiter. Denn schließlich will der Veranstalter nicht nur ein paar Polospieler auf den bislang als Blumenfeld fungierenden Acker bringen, sondern eben ein „Event“ – sprich auch zahlreiche Parkplätze für Autos.

Im fernen Hamburg sitzt der Veranstalter Pegasus Event. Der organisiert in ganz Deutschland Poloturniere, sechs sind es pro Jahr, die eine komplette Trophy ausmachen, erläutert ein Mitarbeiter. Hauptsponsor der Turniere ist die private Berenberg-Bank, die auch in Frankfurt vertreten ist. Und weil viele Kunden dieser laut Eigenwerbung „ältesten Privatbank Deutschlands“ aus Bad Homburg und Königstein kommen, wünschte sich der Frankfurter Filialleiter nun ein hübsches Event im Taunus, zu dem besondere Kunden eingeladen werden können.

Nun ist der Taunus eher hügelig, das Polospiel indes eher in den weiten Ebenen Argentiniens beheimatet. Zuerst gefragt wurde der Bad Homburger Landwirt und Besitzer des Kronenhofs, Hans-Georg Wagner. Der winkte allerdings ab. Er vermittelte aber einen Kontakt an seinen Oberstedter Landwirtskollegen Kofler. Der würde seinen Blumenacker zur Verfügung stellen.

So ein Polospiel braucht allerdings Platz. Mindestens 100 mal 200 Meter misst das Spielfeld, noch mal so viel Fläche wird für Zuschauerzelte, Parkplätze und das Drumherum benötigt. Macht insgesamt 40 000 Quadratmeter.

In Oberursel, der Hessentagsstadt, ist man nicht begeistert darüber, in der Turnier-Werbung kurzerhand nach Bad Homburg eingemeindet worden zu sein. Das sei vom Sponsor des Turniers so gewünscht, heißt es dazu in Hamburg. Offenbar interessieren geografische Feinheiten bei wachsender Entfernung nicht sonderlich. Bad Homburg passt wohl auch besser zu Polo.

Ob Pferdehufe und Schläger die Rasenfläche, auf der das „königliche Spiel“ gespielt wird, am letzten Augustwochenende tatsächlich umpflügen werden, ist noch offen. Wenn es genehmigt werden sollte, werden die Zuschauer in den Spielpausen zum sogenannten „treat in“ gebeten: Sie dürfen die rausgefetzten Rasenstücke wieder eintrampeln.

Das Polospiel stammt ursprünglich aus dem Iran und hat sich von dort aus nach Indien verbreitet, wo es die englischen Kolonialherren lieben lernten. Die englischen Prinzen Charles, William und Harry sind begeisterte Spieler. In Deutschland gibt es etwa 300 Polospieler.

In Oberstedten sollen nach Auskunft des Veranstalters vier Mannschaften an den Start gehen. Gespielt wird in Sieben-Minuten-Abschnitten, mit Pausen insgesamt 75 Minuten lang. Zwei Spiele pro Tag sollen zu sehen sein. Erwachsene zahlen 15, Familien 20 Euro Eintritt. Im VIP-Zelt mit Champagner kostet das Zuschauen allerdings 240 Euro.

Autor:  Martina Propson-Hauck
Datum:  4 | 8 | 2011
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