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Radwege in Oberursel: Noch ohne Konzept

Viele heikle Fragen verhindern die Verabschiedung eines Verkehrskonzepts in Oberursel. Dabei geht es etwa um die Freigabe von Wirtschafts- und Forstwegen für Radler. Von Jürgen Streicher

Radweg zwischen Oberursel und Bad Homburg.
Radweg zwischen Oberursel und Bad Homburg.
Foto: FR/Surrey

"Oberursel - die fahrradfreundliche Stadt", das würde als Untertitel gut zum Hessentagsmotto "Stadt der kurzen Wege" passen. Also steht es über den Zielen des Radverkehrskonzepts, das den politischen Gremien bereits seit November vorliegt. Wegen "1000 interner Fragen" und "vieler heikler Themen" ist es aber immer noch nicht beschlossen und bleibt bisher unter Verschluss.

Heikle Themen sind etwa die offizielle Freigabe von Wirtschafts- und Forstwegen für den Radverkehr. Das Freizeitroutennetz mit Regionalparkweg, der Route "Rund um Oberursel" und der Apfelweinroute nutzt die Wege bereits. Die von der Stadt beauftragten Darmstädter Verkehrsplaner befürworten das ebenfalls, einige Landwirte finden es aber gar nicht gut, wenn ihnen zu viele Radler vor den Traktor fahren.

"Erste Abstimmungsgespräche mit Landwirtschaftsvertretern" seitens der Stadt verzeichnet eine Fußnote im 40-seitigen Textteil des Radverkehrskonzepts. "Oberursel - die fahrradfreundliche Stadt", das bedeutet für die Planer die Attraktivität für Radler durch ein geschlossenes Netz zu steigern, die Sicherheit auch an gefährlichen Knotenpunkten zu erhöhen und ein besseres Marketing für das Radfahren, auch mit passenden Abstellanlagen und verbesserter Wegweisung. Denn: "Ein geschlossenes und durchgängig gut befahrbares Netz für den Radverkehr ist in Oberursel nicht erkennbar", heißt es in dem Konzept.

Vor allem an Hauptverkehrsstraßen und Sammelstraßen mit Tempo 50 seien keine Radverkehrsanlagen vorhanden. Unfallhäufungspunkte gibt es trotzdem nicht, die Polizeistatistik weist für 2006 nur 21 Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern aus, ein Jahr später waren es 28 Unfälle mit knapp 50 meist nur leicht Verletzten. Für die angestrebte Netzkonzeption haben die Verkehrsplaner die Wunschlinienverbindungen auf konkrete Straßen und Wege umgelegt. Dabei geht es etwa um das Erreichen von Bildungseinrichtungen, Arbeitsplätzen, Bahnhöfen, Stadtteilzentren und Ausflugszielen.

Bei Straßen mit einem Tempo-30-Limit empfehlen sie Mischverkehr von Rad und Auto, in Tempo-50-Zonen je nach Verkehrsaufkommen und Fahrbahnbreite Mischverkehr oder Schutzstreifen für Radler. Wo schnell gefahren wird, soll unbedingt getrennt werden. Der Maßnahmenkatalog ist entsprechend umfangreich. Die Anlage von Radfahrstreifen oder Radwegen wird wegen des hohen Verkehrsaufkommens dringend empfohlen für die Hohemarkstraße, Füllerstraße, Oberhöchstadter Straße, Homburger und Frankfurter Landstraße in Teilbereichen, den Zimmersmühlenweg und die Kurmainzer Straße in Weißkirchen.

Schutzstreifen sollten im Heidegraben, Dornbachstraße, Königsteiner Straße, Oberurseler Straße, Freiligrathstraße und An den Drei Hasen aufgebracht werden. Bei Mischverkehr sollte geprüft werden, ob eine Temporeduzierung auf 30 km/h möglich ist. Ein zweites heikles Thema in den parlamentarischen Fachausschüssen ist die Freigabe von Fußwegen für den Radverkehr, von Innenstadt-Querungen und Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung, die bereits in einigen Straßen erfolgt ist.

Freigabe vorgeschlagen

Streitpunkte sind etwa die Fußgängerzone im Bereich Epinayplatz, die Verbindung zwischen Kumeliusstraße und Rathausplatz, der Fußweg zwischen Hochtaunus- und Erich-Kästner-Schule an der Bleibiskopfstraße sowie ein Dutzend weiterer Fußwege, die längst von Radlern - meist im Einklang mit Fußgängern - genutzt werden. Die Planer schlagen in allen Fällen die Freigabe für den Radverkehr vor, das gilt auch für die Wirtschaftswege im Feld mit dem Zusatzschild "Radverkehr frei".

Konkrete Vorschläge für die Regelung an gefährlichen Knotenpunkten erteilt die Studie nicht. Die Kosten für Umbauten fehlen daher ebenso in der rudimentären Kostenschätzung wie die Kosten für Verbesserung der Fahrbahnoberfläche, Beleuchtung von Radwegen, Ausbau der Abstellanlagen, Wegweisung. So steht unter dem Punkt Kosten die überschaubare Summe von 170.000 Euro. Das beinhaltet aber nur die Markierung mit Radfahrstreifen und Schutzstreifen sowie eine Wegverbreiterung im Bereich der Königsteiner Straße. Zur Verbesserung der Abstellplätze an S- und U-Bahn-Haltestellen müsste die Stadt rund 35.000 Euro investieren.

Insgesamt stehen 556 Plätze zur Verfügung, was als ausreichend angesehen wird. Die Bewertung des Gesamtzustandes aber ist zum Teil katastrophal, am Bahnhof Oberursel und den Bahnhöfen Weißkirchen/Steinbach und Weißkirchen Ost wurden die Noten "Mangelhaft" und "Ungenügend" vergeben. Die 170 Fahrradstellplätze im öffentlichen Straßenraum in der City werden als ausreichend bezeichnet.

Datum:  13 | 5 | 2009
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