Die Kurstädter und ihre Gäste aus der gesamten Region machten am Wochenende nicht den Eindruck, als würde ihnen die Almgaudi und der lärmende Hüttenzauber vor dem Kurhaus arg fehlen. Ihren romantischen Weihnachtsmarkt, vor allem den Teil im Schlosshof und dessen Umfeld, lieben sie auch ohne nachgemachtes Après-Ski-Gedöns.
Auch aus Rücksicht auf das Bad-Jubiläum hätten die Weihnachtshändler in diesem Jahr auf Almstadl und Eisbahn vor dem Kurhaus verzichtet, sagte der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Jörg Hölzer zur Eröffnung der Weihnachtsstadt – vor der Krippe im unteren Schlosshof.
Das wunderbare Stadtgeläut beim Schwinden des Tageslichts, aus dem die Glocken der Erlöserkirche und von St. Marien herausragend klangen, konnten die Organisatoren an der Krippe kaum hören. Die musikalische Einstimmung mit „Alle Jahre wieder“ und „Last Christmas“ erklang über Lautsprecher, ein kleiner Abstrich in Sachen Romantik. Es waren aber auch nicht so viele Menschen dabei, die Eröffnung mit anschließendem Glühwein-Umtrunk hinter der Krippe ist eher ein Pflichttermin für die, die immer dabei sind. Einen „wichtigen Leuchtturm der Region“ nannte dabei Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD) den Weihnachtsmarkt.
Vom oberbayerischen Inzell auf den Frankfurter Römerberg: Der 120 Jahre alte Weihnachtsbaum steht, Lichter hat er auch schon. Jetzt kann er, so wie schon seine zahlreichen Vorgänger, mit der Skyline um die Wette glitzern.
Pfarrer Werner Meuer vom katholischen St. Marien hatte die Glocken wohl gehört und das, was sie verkünden sollen. „Mach’s wie Gott, werde Mensch“, rief er jedem einzelnen die Weihnachtsbotschaft in Erinnerung. Die Krippe sei keine Kulisse, sondern eine Botschaft. Für andere eben auch die Botschaft, dass es Sponsoren gebe, die ihre Figuren und den leuchtenden Stern von Bethlehem finanzieren. Schön ist sie geworden, die Krippe im neuen Stall mit den zum Teil neuen Figuren. Ganz in Holz wieder, ohne lebende Schafe, die in früheren Tagen an den Figuren geknabbert haben oder gar ausgebüxt sind.
Im Schlosshof ist das „teure Sicherheitskonzept“ (Hölzer) spürbar. Die Hütten sind nicht mehr so eng gesetzt auf der einen Seite, die Wege dazwischen breiter. Und das Vestibül mit dem sonst so romantischen Schlosscafé muss als Fluchtweg herhalten. Durchgangsverkehr Richtung Riesenzeder also. Kleine völlig unromantischen Scheinwerfer weisen hier den Weg zum Fluchttor vor der Erlöserkirche, ihre heimeligen Fackeln durften die Schlossgärtner diesmal nicht aufstellen.
Den Almdudlern zum Trost sei gesagt, dass die Aktionsgemeinschaft den Stadl am Kurhaus – und die Eisbahn – auf jeden Fall wieder in die Weihnachtsstadt 2013 integrieren will. Die Nachfrage sei riesig, Jörg Hölzer sieht eine gewisse Verpflichtung zur Wiederbelebung. Das Bad-Jubiläum ist dann vorbei, die historische Fassade am Kurhaus abgehängt.
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