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Bildung: Strom aus Hibiskustee

Schüler experimentieren im Nano-Truck auf dem Rathausplatz in Bad Homburg. Das Jugendbildungswerk der Stadt will ihr Interesse für Nanotechnologie wecken.

        

Anfassen erlaubt: Die Schüler sind begeistert von den Exponaten.
Anfassen erlaubt: Die Schüler sind begeistert von den Exponaten.
Foto: Michael Schick

Yagmur und Margarete versuchen, zwei Glasplatten mit Büroklammern aufeinander zu befestigen. Zuvor haben sie die Platten mit Graphit aus einem Bleistift und Farbstoff aus Hibiskustee bestrichen. Dazu kommt noch eine Beschichtung aus Titandioxid. Ihre fünf Klassenkameraden aus der zehnten Klasse der Gesamtschule am Gluckensteinweg sind mit gleicher Begeisterung dabei, vor allem, als sie auf einem Messgerät ablesen können, dass ihre selbst konstruierten „Grätzelzellen“ tatsächlich geringe Mengen Strom erzeugen. „Das ist etwas anderes als Schule, da hat man nicht die Möglichkeit, so etwas wie Nanotechnologie genauer kennenzulernen und selbst auszuprobieren“, sagt Margarete.

Das Jugendbildungswerk der Stadt Bad Homburg hat den Nano-Truck des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – einen doppelstöckigen Bus mit Seitenauslegern – für zwei Tage auf den Rathausplatz geholt. Etwa 200 Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen können dort in kurzen Seminaren und in einer Ausstellung mit vielen Exponaten zum Ausprobieren Nanotechnologie kennenlernen.

„Unser Ziel ist, neue Fachkräfte zu finden und deshalb Jugendliche zu begeistern, denn Deutschland ist in der Nanotechnologie führend“, sagt Julia Donauer. Damit das so bleibt, machen sie und ihr Kollege, beide Mitarbeiter des Ministeriums, nicht nur Werbung für die Hightech-Studiengänge an Universitäten und Fachhochschulen, sondern laden Schüler zu angeleitetem Experimentieren ein.

Denn Nanotechnologie klingt zunächst sehr abstrakt. Die Welt in Mikrostrukturen muss man sich so vorstellen, dass eine Nanofaser mit einem Gewicht von einem Gramm einmal um die ganze Welt reichen würde. In den Nanowelten verhalten sich bekannte Stoffe anders als gewohnt. Gold zum Beispiel wird rot, ein Autoreifen mit Rußpartikeln hat weniger Abrieb und spart Sprit. Bekannt ist vielen der Lotuseffekt, den man von Autolacken kennt. Im Truck kann man ihn an einem echten Lotusblatt ausprobieren. Nanotechnologie hilft bei bestimmten Anwendungen sogar in der Krebstherapie oder bei der Erzeugung von alternativer Energie.

Damit die von den Schülern im Do-it-yourself-Verfahren hergestellten Solarzellen aus Pflanzen-Farbstoff so richtig powern können, fehlte es gestern an der nötigen Sonne. In Australien indes kommen die nach dem Schweizer Erfinder benannten „Grätzelzellen“ bereits zur Anwendung.

Ihr Vorteil: Man kann sie auf hauchdünne Materialien, selbst auf Textilien, auftragen und braucht keine starren und schweren Dachkonstruktionen wie die herkömmlichen Solarzellen.

Der Nano-Truck ist begehrt, nur jede sechste Anfrage von Städten kann erfüllt werden. Umso mehr freute sich Stadtrat Dieter Kraft gestern darüber, das das Mobil bereits zum zweiten Mal in drei Jahren in Bad Homburg Station machte.

Das in diesem Jahr neu gegründete Jugendbildungswerk soll Bad Homburger Jugendlichen zukunftweisende Berufsbilder nahe bringen. Nicht nur Abiturienten und Studierende, sondern auch künftige Chemielaboranten und andere kämen schon heute mit Nanotechnologie in Berührung.

Am Freitag, 9. September veranstaltet das Jugendbildungswerk übrigens eine Nacht der Berufe.

Die Ausstellung auf dem Rathausplatz ist am Vormittag für Schulgruppen reserviert. Alle anderen Interessierten können heute noch von 13 bis 16 Uhr im Truck in die Welt der Nanotechnologie eintauchen und Informationsmaterial zu Studien- und Berufsmöglichkeiten mitnehmen.

Autor:  Martina Propson-Hauck
Datum:  10 | 8 | 2011
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