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Tag der Armut: "Natürlich brauchen wir arme Menschen"

Bad Homburg ist eine reiche Stadt - das sieht man auch, wenn erstmals wie am Sonntag ein "Tag der Armut" in die Stadt getragen wird. Dann diskutiert das Homburger Bildungsbürgertum. Von Anton J. Seib

Es war ein Experiment, und die Veranstalter sind mit der Resonanz des ersten Bad Homburger Tags der Armut im katholischen Gemeindehaus St. Marien zufrieden. "Wir wollen neue Zielgruppen erreichen, die Bildungsbürger ansprechen und zum Nachdenken anregen", sagt Alexander Dietz vom evangelischen Dekanat Hochtaunus. Und so kam er mit Vertretern der katholischen Gemeinde St. Marien und dem DGB-Ortsverband auf die Idee, beim Tag der Armut das heikle Thema in die Stadt zu tragen.

Es wurde nicht nur diskutiert, bei allem Ernst des Themas kam auch die Unterhaltung nicht zu kurz. Die Tanzmädchen schwangen die Beine, es gab Lesungen, Theater und eine Stand-Up-Diskussion zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen".

"Braucht die Gesellschaft Arme?" lautete der provozierende Titel der Podiumsdiskussion am Nachmittag. Da konnte Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard noch so sehr nachbohren, seine Gesprächspartner mogelten sich erfolgreich um eine Antwort herum, ausgenommen der Psychiater Michael Demmler, der zumindest bemüht war, auf die gesellschaftliche Dimension von Armut hinzuweisen. Das Spektrum der Teilnehmer- ein Querschnitt des Homburger Bildungsbürgertums. Es reichte von Ralph Gotte, Präsident der Homburger Turngemeinde, Marliese Bernecker von der Frauenorganisation Inner Wheel, Elisabeth Wolff-Edle von Schickh von den Grünen Damen, Christian Weizmann vom Gesellschaftspolitischen Diskussionskreis bis zu Albrecht Graf von Kalnein von der Herbert-Quandt-Stiftung.

Die anderen Diskussionspartner begriffen Armut als individuelles Schicksal, das durch den Einsatz helfender, gutmeinender Menschen gelindert werden kann. Das gipfelte in die fast schon sozialdarwinistisch angehauchte These von Christian Weizmann, es habe immer Armut gegeben, weil die Menschen eben nicht gleich seien. Für ungerecht hält Weizmann diese scheinbare Konstante der Menschheitsgeschichte jedenfalls nicht.

Es war schließlich ein Kirchenmann aus dem Publikum, der die Antwort nicht scheute. "Natürlich brauchen wir Arme, damit andere diszipliniert werden, die Beschäftigten keine Forderungen stellen", sagte Herbert Reininger.

Experiment gelungen, es wird einen zweiten Tag der Armut geben, so das Fazit der Veranstalter. Bis dahin wird es spannend sein zu erleben, wie die Bürger einer der reichsten Städte Deutschlands das Thema Armut weiter diskutieren.

Autor:  ANTON J. SEIB
Datum:  9 | 3 | 2009
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