Die Beschwerden der Oberurseler U-Bahn-Nutzer kennt Michael Rüffer nur zu gut aus Erfahrung. Der bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) beschäftigte Diplom-Ingenieur ist Oberurseler, steigt meist an der Station Kupferhammer in die U3 und darf die Bahn ab und zu sogar selbst fahren. Im Rathaus-Sitzungssaal sollte er am Dienstagabend Anregungen und Beschwerden der ÖPNV-Nutzer aufnehmen und ihnen das komplizierte Konstrukt Nahverkehr in der Region mit Hintergrundinformationen erklären.
„In Oberursel ist immer wieder die Sicherheit ein großes Thema. Es gibt extrem viele Übergänge und viele Unfälle. Ist Oberursel ein Schwerpunkt in der Statistik?“, wollte Michael Reuter wissen. „Und warum ist die U-Bahn dunkelgrün? Das ist zwar schick, aber die Fahrzeuge sind leicht zu übersehen.“ Die Farbe habe keinen Einfluss auf die Zahl der Unfälle, sagte VGF-Mann Michael Rüffer, helle Wagen hätten gleich viel Unfälle. Oberursel sei statistisch kein Unfallschwerpunkt.
Für den Betrieb der U3 auf knapp acht Kilometern Schienenlänge zwischen Hohemark und der Stadtgrenze zu Frankfurt zahlt die Stadt Oberursel im Jahr 2013 einen Zuschuss von rund 1,4 Millionen Euro an die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF).
Der letzte Vertrag datiert aus dem Jahr 2009, für drei Jahre wurden 3,7 Millionen Euro vereinbart. Seitdem wird der Vertrag jährlich fortgeschrieben, für die Stadt wird das Projekt U-Bahn kontinuierlich teurer, weil sich der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ebenso kontinuierlich aus der Mitfinanzierung zurückzieht.
Der RMV zahlt inzwischen weniger als Oberursel, hat aber wesentlich mehr Mitspracherecht in allen Fragen. Die Städte Oberursel und Bad Homburg sowie der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) pochen nun auf einen dauerhaften Grundsatzvertrag, in dem der RMV zur Übernahme von 50 Prozent der Kosten verpflichtet werden soll.
Die Stadt Oberursel hat sich auch an den Kosten für die Sanierung und den Umbau aller elf U-Bahn-Stationen zwischen der Endstation Hohemark und Weißkirchen-Ost beteiligt. Die auf 75 Meter verlängerten Stationen mit erhöhtem Bahnsteig und Rampen wurden alle zum Hessentag 2011 fertig.
Die Stadt muss auch die Hälfte der Kosten für die neuen Ampelanlagen an einzelnen Stationen übernehmen.
Als Fahrgast in der U-Bahn weiß Rüffer, wie mies es ist, wenn die elektronische Fahrgast-Information eine U3 in neun Minuten verspricht, dann in fünf oder drei Minuten, bis die Anzeige schließlich kurzfristig verschwindet, ehe die nächste Bahn angekündigt wird – in 21 Minuten. Die Bürger, die die Informationsveranstaltung von Stadt und VGF und einem Vertreter des Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT) auf dem Podium nutzen, um Ärger und Fragen zu formulieren, haben das alle schon erlebt – und sind ratlos und oft auch wütend auf die ÖPNV-Betreiber zurückgeblieben.
Ein „klassisches Problem“ nennt Rüffer das, die Beschriftung sei eine „Baustelle, da muss man ran“. Als zeitweiliger Fahrer und durch seinen Job Mitverantwortlicher für den Betrieb weiß er aber auch um das Problem, eine technische Panne oder einen Unfall in einem Punkt des Systems in eine für den Fahrgast sinnvolle und nutzbare Information umzusetzen. Viele Variablen kämen da ins Spiel, „Betriebsstörungen sind nicht kalkulierbar“, so der VGF-Experte. Verlässliche Zeitangaben seien kaum möglich.
Die Einführung der Riedberg-Linie hat die Planungsprobleme auf einer anderen Ebene extrem verstärkt. Bis zu 24 Fahrten pro Stunde müssen in Spitzenzeiten auf der Stamm- oder sogenannten A-Strecke bewältigt werden. Um 19 Prozent ist die Zahl der Fahrten auf über 400 pro Tag gestiegen, seit die U8 und die U9 integriert wurden.
Von massiven „Störeinflüssen“ spricht Rüffer da, „damit haben wir zu kämpfen“. Jede kleine Störung kann sich empfindlich aufs ganze System auswirken. Die Strecke sei „unwahrscheinlich voll, vergleichbar mit der A5 am Morgen“. Die U3 werde aber nicht benachteiligt.
Ein wirklicher Trost ist das nicht für die leidgeplagten Nutzer der U3, die manchmal minutenlang sozusagen auf dem Abstellgleis stehen, wenn andere Linien im engen Geflecht Vorrang haben und der Plan eingehalten werden soll. Auch nicht, wenn Rüffer die Fahrer in Schutz nimmt, die am Bahnhof Oberursel nicht auf die verspätete S-Bahn aus Frankfurt warten, um deren Fahrgäste mit Richtung Hohemark mitzunehmen. Dann werde es nämlich mit dem Anschluss an die Busse von der Hohemark in den Taunus eng. So einfach und so schwer sei das, „einen Tod muss man sterben“.
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