Im vergangenen Jahr sind im Hochtaunuskreis 15 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen - acht mehr als im Jahr zuvor. Bei sechs dieser schweren Unfälle hatten Fahrer die Kontrolle über ihr Gefährt verloren, sind von der Fahrbahn abgekommen oder in den Gegenverkehr geraten.
Diese Informationen hat die Polizei am Montag bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik vorgelegt. Bei diesen schweren Unfällen handele es sich nach Auskunft von Polizeidirektor Gerhard Budecker allerdings um "singuläre Ereignisse". Eine Häufung an bestimmten Unfallschwerpunkten sei nicht auszumachen.
Insgesamt hat es im vergangenen Jahr 4432 mal auf den Straßen des Hochtaunuskreises gekracht, das waren 49 Verkehrsunfälle weniger als im Vorjahr.
Getötet wurden dabei 15 Menschen, es gab 852 Verletzte, 125 davon waren schwer verletzt. Im Vergleich zu den Vorjahren gab es weniger verletzte Verkehrsopfer, aber mehr Verkehrstote.
Hauptursache für Verkehrsunfälle waren Missachtung der Vorfahrt, zu geringer Abstand und nicht angepasste Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen waren in 5 Prozent im Spiel.
Bei jedem dritten Unfall sind die Verursacher flüchtig. Die Polizei rät zur Anzeige, denn die Aufklärungsquote bei Unfallflucht liegt bei 38 Prozent.
Die Zahl der Motorradunfälle und -toten allerdings stieg im Vorjahr vor allem im Feldberggebiet stark an. Im gesamten Hochtaunuskreis wurden 85 Motorradfahrer bei Unfällen verletzt, fünf getötet. Allein im Feldberggebiet starben zwei Motorradfahrer, 34 wurden verletzt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben Mitarbeiter von Polizei, Kreis und Kommunen einen "runden Tisch" gebildet und vor wenigen Wochen verschärfte Geschwindigkeitsbeschränkungen auf den beliebtesten Motorradstrecken eingeführt. Ob die bereits greifen, darüber gibt es allerdings noch keine Erkenntnisse. "Wir hatten bisher zu wenige schöne Tage", sagt Thomas Dietrich, Experte für Verkehrsunfallstatistik im Kreis.
Die Polizei kontrolliere rings um den Feldberg und seine beliebten "Rennstrecken" jetzt noch stärker. Wo jeweils kontrolliert werde, sei für die Motorradfahrer unberechenbarer geworden. Rings um den Feldberg rasen allerdings nicht nur die Zweiradfreaks. Auch Autofahrer sind dort oft eindeutig zu schnell unterwegs.
Von den insgesamt 4432 bei der Polizei registrierten Verkehrsunfällen war im Jahr 2009 jeder zehnte ein Wildunfall. Rehe, Wildschweine und sogar einige Exemplare der seltenen Wildkatze kamen vor allem im Usinger Land und zwischen Königstein und Glashütten unter die Räder. Um das Leid der Tiere zu vermeiden, sollen im nächsten Herbst Reflektoren mit blauem Licht und sogenannte Duftzäune entlang der Straßen mit häufigem Wildwechsel installiert werden.
Die sollen das Wild nicht abschrecken, sondern bei den Tieren erhöhte Aufmerksamkeit für die herannahenden Lichtkegel der Autos wecken. Polizeidirektor Budecker rät allen Autofahrern zudem, auf waldreichen Strecken nicht schneller als 80 zu fahren. "Das ist die Geschwindigkeit, bei der man einem Wildunfall noch ausweichen kann", sagte er vor Journalisten. Besondere Aufmerksamkeit haben die Statistiker in diesem Jahr der Frage gewidmet , ob älterer Menschen besonders häufig in Unfälle verwickelt sind, bei denen ihre reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit und das geringere Reaktionsvermögen die Ursache waren.
Bei der Gruppe der Unfälle, die von sogenannten Rasern verursacht wurde - im Polizeijargon heißt das "nicht angepasste Geschwindigkeit" - waren vor allem junge Fahrer überproportional häufig vertreten.
Senioren dagegen waren häufiger in Unfälle an komplizierten Verkehrsknotenpunkten verstrickt, bei denen sie die Vorfahrt missachteten. Insgesamt aber krachte es wegen missachteter Vorfahrt am häufigsten bei den Autofahrern mittleren Alters.
Alkoholeinfluss hat die Polizei bei insgesamt 129 Unfällen registriert, bei acht weiteren Unfällen waren andere Drogen im Spiel. 235 Fahrer wurden mit einem erhöhten Alkoholspiegel im Blut erwischt, ohne dass sie einen Unfall verursacht hätten. Auch bei einem Unfall mit tödlichem Ausgang war Alkohol im Spiel, 17 Schwerverletzte gab es im Landkreis bei Unfällen mit alkoholisierten Fahrern. Die Altersgruppe der 18 bis 29-jährigen Unfallopfer ist erwartungsgemäß ziemlich hoch.

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