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Wicker-Klinik: "Dem Patienten Ziele setzen"

Seit zehn Jahre gibt es in der Bad Homburger Wicker-Klinik eine spezielle Schlaganfall-Rehabilitation. Zwei Mitarbeiter erläutern den Sinn und Zweck im FR-Interview.

Franziska Reinhuber (l.), Dirk Rabenau
Franziska Reinhuber (l.), Dirk Rabenau
Foto: FR/Sundermann

Was hat sich an der Reha für Schlaganfall-Patienten verändert? Rabenau: Früher war mehr Geld im Gesundheitssystem vorhanden, was sich vor allem in der Aufenthaltsdauer ausgewirkt hat. Heute muss der Patient in einer durchschnittlich 30 Prozent kürzeren Zeit behandelt werden als noch vor zehn Jahren. Reinhuber: Für Schlaganfall-Patienten kann keine feste Behandlungsdauer vorgegeben werden. Die Rehabilitation muss sehr individuell gestaltet werden. Das hängt etwa von der Schwere der Erkrankung ab oder ob eine chronischen Erkrankung vorliegt.

Mit welchem Zeiträumen ist konkret zu rechnen? Rabenau: Zwischen drei Wochen und mehreren Monaten.

Wie hat sich die Reha verändert? Reinhuber: Der Patient geht heute oft sofort nach Verlassen der Intensivstation im Akut-Krankenhaus in die Reha-Klinik. Das ist wichtig, um den Erkrankten aktiv zu halten. In der modernen Rehabilitation werden mit der Aufnahmeuntersuchung Ziele nach den individuellen Bedürfnissen definiert.

Eine 100-prozentige Wiederherstellung, das Ideal, ist nicht das oberste Gebot? Reinhuber: Früher wurde der Behandlungsschwerpunkt auf funktionelle Defizite gelegt. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Rehabilitation nach der Alltagsrelevanz vorgenommen werden muss. Wer zum Beispiel alleinstehend und Rentner ist, hat andere Reha-Ziele als ein 40-Jähriger, der wieder in den Beruf will und Autofahren muss. Das Reha-Ziel wird auch von dem persönlichen Lebensumfeld bestimmt. Patienten, die per Lift ihre Wohnung erreichen können, benötigen eine andere und vielleicht kürzere Behandlung als solche, die über zwei, drei Treppen in ihre Wohnung gelangen. Wir haben auch eine Lehrküche. Dort wird gleich gezeigt, wie man sich gesund ernährt.

Geht der Patient nicht von einer nahezu völligen Heilung aus? Reinhuber: Ungefähr ein Drittel der Patienten verlässt unser Haus gesund. Ein weiteres Drittel geht mit leichten Beeinträchtigungen. Das letzte Drittel leidet auch nach der Rehabilitation unter deutlichen neurologischen Störungen. Nur ganz wenige Patienten müssen in eine Pflegeeinrichtung.

Gibt es eine psychologische Betreuung? Reinhuber: Zum Fachpersonal gehören neben Sprach- und Physiotherapeuten auch Psychologen, die den Menschen auf ihrem Heilungsweg begleiten. Es gibt zudem eine Kurseelsorge, die durch eine seelische Krise helfen kann. Rabenau: Auch nach der Reha kann der Patient noch Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe finden, die sich regelmäßig in unseren Räumlichkeiten treffen.

Mit 40 Reha-Betten für Schlaganfall-Patienten und Gehirnverletzte hat die Klinik angefangen. Der Bestand ist seitdem um fast 50 Prozent gestiegen. Warum? Rabenau: Der Bedarf für eine wohnortnahe Versorgung ist gewachsen. Zu uns kommen Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet, aus verschiedenen Stroke-Units, also Spezial-Stationen für Schlaganfall. Es ist aber auch die gesellschaftliche Entwicklung. Die Leute werden älter und haben im Beruf mehr Stress.

Gibt es eine auffällige Altersgruppe? Reinhuber: Die Bandbreite liegt unverändert bei 30 bis 90 Jahren. Bei den jüngeren Leuten sind es eher die Schädelverletzungen nach einem Unfall mit dem Motorrad oder Fahrrad. Der Schwerpunkt liegt bei 60 bis 80 Jahre.

Ein Grund, ein Präventionsprogramm anzubieten? Rabenau: Wir sind eine Reha-Klinik und kein Akut-Krankenhaus. Es gibt bereits ein vielfältiges Angebot an Vorträgen und Kursen. Am 19. September werden wir bei einem Tag der offenen Tür zusammen mit unser Wirbelsäulenklinik im Haus, die seit 25 Jahren besteht, verschiedene Gesundheitsthemen nach außen tragen und Fachvorträge anbieten.

Interview: Detlef Sundermann

Datum:  22 | 7 | 2009
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