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29. Januar 2014

Friedberg: Slammen im Gedenken

 Von Petra Zeichner
Tanasgol Sabbagh aus Friedberg präsentiert ihr Gedicht „Vermächtnis“.  Foto: Petra Zeichner

Zum Holocaust-Gedenktag locken junge Dichter mit ihren emotionalen Texten viele Besucher ins Friedberger Jugendzentrum Junity. Damit der Applaus nicht die Stimmung verdirbt, stellen die Gäste stattdessen Grablichter auf Namenszettel ihrer Favoriten.

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Friedberg. –  

Zum 69 Mal hat sich am 27. Januar der Tag gejährt, an dem die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz Birkenau befreite. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort von dem Nazi-Regime ermordet. Männer, Frauen, Kinder, Sinti, Roma, Juden, Homosexuelle und viele andere Menschen, die nicht der damals vorherrschenden Rassenideologie entsprachen. Wie kann man diesem Grauen gedenken und gleichzeitig junge Menschen vermehrt ansprechen?

Darüber haben sich Lukas Hölzinger, Leiter des Friedberger Jugendzentrums Junity, die Antifaschistische Bildungsinitiative und Andreas Arnold von der Friedberger Künstlertruppe „Heldentheater“ Gedanken gemacht. Heraus kam der „Slam Poetry“. Die Ähnlichkeit mit dem Begriff Poetry Slam ist beabsichtigt. Ebenso beabsichtigt auch der Unterschied. „Bewusst haben wir uns gegen das Format, aber für die Texte entschieden“, erklärt Arnold.

Deshalb wählte das Publikum am Montagabend im Junity die Sieger nicht per Applaus. Stattdessen stellten die Gäste Grablichter auf Namenszettel ihrer Favoriten. Arnold: „Wir wollten durch den Applaus nicht die Stimmung verderben.“ Die war aufseiten der sieben jungen Dichterinnen und Dichter emotional.

"Unterschiede, die uns vereinen"

„Es ist ein wütender, zorniger Text in die Gegenwart verlagert“, sagte Jakob Kielgaß aus Marburg. Er prangerte den Krieg an, „ihr baut portonierten Tod in die Welt“, und den heutigen Militarismus, „und dann seh ich sie wieder aufmarschieren“, der auf dem „Wahnsinn der Unempfindlichkeit“ einen Nährboden findet. Ihm wie auch den anderen Poeten ging es darum, dass sich die Geschichte nicht widerholt.

So auch Dominik Rinkart aus Karben. „Dumm ist, wer Dummes spricht“ lautete der Titel seines Stückes. Er sprach über diejenigen, die über Ausländer wettern, aber selbst Döner essen. Dass die Menschen verschieden sind, das war sein Thema. Der Feind alles Bunten liege in der Mitte der Gesellschaft – „die Einfachheit“. Und er schloss mit der Sentenz: „Es sind bloß die Unterschiede, die uns vereinen.“

Friedbergerin liegt vorn

Auch die Friedbergerin Tanasgol Sabbagh machte sich lyrische Gedanken über das „Vermächtnis“, so der Titel ihres Gedichts. „Ich ringe oft nach Atem, weil mich der Gedanke quält, dass sich die Geschichte nicht verändert“, dichtete sie im für Slammer oft typischen Rap. Deshalb forderte sie zum Schluss: „Sprecht und lernt von dem was war, dann bleibt es immer im Gedächtnis“.

Rund 100 Menschen waren gekommen. Im Gegensatz zu den traditonellen Poetry Slams, die überwiegend junge Menschen anziehen, saßen im Junity diesmal viele, die um die 40, 50 oder 60 Jahre alt waren. Die meisten Grablichter vergaben sie an Tanasgol Sabbagh.

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