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25. Mai 2013

Karben: Neonazi-Nest neben der Moschee

 Von Peter Hauff
Die friedliche Fassade verrät nicht, was dahinter steckt.  Foto: M.Weis

Nur einen Steinwurf von einem muslimischen Gotteshaus an der Bahnhofstraße hält die Identitäre Bewegung angeblich Workshops. Bürger wehren sich gegen Rechtsextreme mit einem Aktionsbündnis und lassen sich „nicht auseinander dividieren“.

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Identitäre Bewegung

In sozialen Netzwerken rufen ihre Mitglieder zur Störung multikultureller Treffen auf. Bei Facebook sind 5457 Freunde der Dachorganisation gelistet.

Die Identitären schimpfen gegen eine „Islamisierung“ ihrer Heimat und treten anonym hinter weißen Plastikmasken auf, wie sie Blockupy verwendete.

Als typische Ableger der Neuen Rechten zielt die Bewegung auf eine junge Zielgruppe, organisiert wilde Spontantreffs (Flashmobs) im rechtlichen Graubereich.

Untergruppen der Identitären gibt es bisher in Hanau, Fulda, im Taunus und vielen deutschen Großstädten.

Eigentlich ist die Stadt Karben nicht gerade bekannt für eine rechtsradikale Szene. Die NPD kommt in Wahlen auf kaum zwei Prozent aller örtlichen Stimmen. So stockte Mitgliedern des Ausländerbeirates am Donnerstag der Atem, als ihnen Kulturstadtrat Philipp von Leonhardi (CDU) von Workshops für Rechtsextreme berichtete, die am letzten Wochenende angeblich einen Steinwurf weit von der Genç Osman Camii Moschee abgehalten wurden.

Eine Hausnummer weiter, in einem ehemaligen Kinderladen und dann Büro eines Schädlingsbekämpfers, findet sich seit kurzem die Identitäre Bewegung. „Gerade junge Leute sind das Ziel dieser rechtsextremen Gruppe“, warnt Leonhardi. Ob das frisch sanierte Büro tatsächlich zu einer Schaltstelle eines rechtsradikalen Mitbürgers werden kann, muss sich erst herausstellen.

Bis zum 30. Oktober 2012 war die Identitäre Bewegung in Deutschland (IBD) unbekannt: Damals stürmten eine Handvoll Mitglieder eine Veranstaltung der Interkulturellen Wochen in der Frankfurter Stadtbibliothek. Der Polizei in Karben ist bisher noch kein Neonazi aufgefallen.

„Auf bekannte Rechtsextreme haben wir bisher keine Hinweise“, sagt Jörg Reinemer, Sprecher der Polizeidirektion Wetterau. „Wir können niemand an den Pranger stellen, gucken aber genau hin und fahren verstärkt Streife.“

Schon ein kurzer Anruf bei der in solchen Fällen gut informierten Antifaschistischen Bildungsinitiative bringt ans Licht, dass hinter dem Vermieter der braunen Werkstatt kein unbeschriebenes Blatt steckt. Der 37-jährige Geschäftsführer einer GmbH, die neben der Karbener Moschee private Blockheizkraftwerke verkauft, sitzt im Vorstand des Trägervereins des Instituts für Staatspolitik.

„Die Einrichtung gilt als Denkfabrik der Neuen Rechten“, weiß Antifa-Sprecher Andreas Balser und warnt vor der friedlichen Fassade.

Karbens Kulturstadtrat Philipp von Leonhardi sagt, er könne die Unwissenheit der Polizei „nicht nachvollziehen“. Ein Problem in Karben könnte darin liegen, dass der angebliche Vermieter vor Ort kaum auffällt, weil er außerhalb Hessens, das heißt vor allem in Sachsen, aktiv ist. „Leider machen unsere Landesämter für Verfassungsschutz an irgendwelchen Grenzen halt,“ meint Leonhardi.

So müssen Bürger ihre Freiheit selbst schützen. „Wir lassen uns nicht auseinander dividieren“, versprechen Mitglieder eines nun aufgebauten Gegenbündnisses. Gründer sind die Stadt, die Kurt-Schumacher-Schule, die Initiative Stolperstein, sowie ein Vertreter des muslimischen Gotteshauses. „Karben hat eine starke Zivilgesellschaft“, weiß Andreas Balser. „Da wird noch Gutes kommen.“

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