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13. Oktober 2014

Karben: Skizze mit trauriger Geschichte

 Von Andreas Groth
Der Gedenkstein in der Heldenberger Straße 10.  Foto: Renate Hoyer

SA-Leute zerstörten am 10. November 1938 die Groß-Kärber Synagoge. An das jüdische Gotteshaus erinnert in der Heldenberger Straße 10 heute nur ein kleiner Gedenkstein. Auch die benachbarte Scheune der jüdischen Familie Josef Junker steckten Männer des SA-Sturms Okarben in Brand.

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Stimmt es tatsächlich, dass es in Karben eine Synagoge gab?“ Immer noch stellten ihm Menschen diese Frage, sagt Hartmut Polzer von der Initiative Stolpersteine in Karben. Gestern erzählte er rund 30 Zuhörern über die Schicksale der von den Nazis drangsalierten, verschleppten und ermordeten Juden in Groß-Karben. In einer Führung, die die Initiative gemeinsam mit dem Museumsdienst des Heimatmuseums ausrichtete, ging es von der Bahnhofstraße bis zur Heldenberger Straße. Dort stand bis zum 10. November 1938 die Synagoge.

An das jüdische Gotteshaus erinnert in der Heldenberger Straße 10 heute nur ein kleiner, halb von Sträuchern verdeckter Gedenkstein. Männer des SA-Sturms Okarben raubten die Synagoge an jenem Novembertag aus und steckten sie in Brand. Ebenso wie die benachbarte Scheune der jüdischen Familie Josef Junker. Auf Befehl des damaligen Bürgermeisters Heinrich Flach, der zugleich Ortsgruppenleiter der NSDAP war, durfte die Feuerwehr nicht löschen. Von der Synagoge blieb bis nach dem Krieg die Ruine stehen. Dann wurde sie abgerissen.

Lehrer Isaak Markus (links) vor der Synagoge.  Foto: Initiative Stolpersteine

Die Teilnehmer der gestrigen Führung gingen den Weg, auf dem vor bald 76 Jahren auch der braune Mop marodierte. Die SA-Leute gingen in die Häuser der jüdischen Menschen. Sie raubten Wertsachen und zerstörten alles, was sie finden konnten. Möbel, Uhren und Nähmaschinen wurden auf die Straße geworfen, Schaufenster eingeworfen, die Betten aufgeschnitten und die Federn vom ersten Stock auf das Pflaster geschüttet. „Frau-Holle-spielen“ war der makabere Ausdruck der SA für dieses Schauspiel, dessen traurigen Schlusspunkt die Zerstörung der 1840 erbauten Synagoge markierte.

Dabei hatte die gut 80 Personen starke jüdische Gemeinde das Gotteshaus erst 1932 von Grund auf erneuert. In einem Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 17. November 1932 heißt es: „Die israelitische Gemeinde Groß-Karben (in Friedberg in Hessen) hat in diesem Jahre ihre alte Synagoge einer gründlichen Renovierung unterzogen. Die kleine, 26 Familien zählende Gemeinde, hat damit bewiesen, dass es auch in dieser so schweren Zeit möglich ist, aus eigener Kraft etwas Großes zu schaffen. Der Lehrer der Gemeinde, Herr Markus, der eigentliche Vater des Projektes, hat dessen Kosten aus freiwilligen Spenden innerhalb der Gemeinde gesammelt und sich mit diesem Werk ein bleibendes Verdienst um seine Gemeinde erworben.“

Skizze von Edgar Braun.  Foto: Initiative Stolpersteine

Welche Maße die Synagoge hatte und wie sie aussah, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Gut neun oder zehn Meter lang könnte sie gewesen sein, schätzt Polzer. Die Synagoge soll 72 Männer- und 36 Frauenplätze gehabt haben. Vor 1932 war sie 1905 schon einmal renoviert worden. Eine Idee von ihrem Aussehen vermittelt die Zeichnung des in die Vereinigten Staaten emigrierten Karbeners Edgar Braun. Er kam als amerikanischer Soldat an seinen einstigen Wohnort in der Burg-Gräfenroder Straße zurück, ganz in der Nähe der einstigen Synagoge, und hinterließ eine kleine Skizze. Sie ist auf der Homepage der Stolpersteine-Initiative zu sehen.

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