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15. Mai 2012

Mit dem Kopf und dem Herzen stolpern

Karben Acht neue Steine erinnern an die Opfer der Nationalsozialisten

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Eine seit Jahrhunderten intakte Gemeinschaft sei durch die Nationalsozialisten einfach über Bord geworfen worden. Wenn man jetzt zusammen komme und gemeinsam trauere, dann werde „ein bisschen Würde wiederhergestellt“, sagte Rabbi Andrew Steimann am Montagvormittag vor dem Haus 47 in der Bahnhofstraße in Groß-Karben, in dem einst die jüdische Familie Kulb wohnte.

Der Künstler Gunter Demnig hatte hier gerade vier seiner Stolpersteine in den Bürgersteig gesetzt, um an die Nazi-Opfer zu erinnern. „Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen“, sagte er. Man müsse beim Lesen der Steine „zwangsweise eine Verbeugung vor den Opfern machen“.

Das Schicksal der Familie Kulb zeigt, dass die Nazis gleich nach ihrer Machtübernahme die Juden drangsalierten. Schon am 24. März 1934 flüchteten Isidor und Bella Kulb mit ihren beiden Kindern nach Frankfurt, bald darauf wanderten sie nach Uruguay aus.

Der Nachbewohner hetzt

Beim Umbau ihres Hauses in Karben wurde in einer Mauer eine Flasche mit einem Brief gefunden, die wohl der eingemauert hatte, der nach den Kulbs das Haus bewohnte. „Im Jahr 1933 kam ein neuer Geist in die deutschen Volksgenossen. Juden und Gesindel haben keine Herrschaft mehr“, stand in dem Brief. Das berichtete Gisela Koeser-Ruhl, die heute Eigentümerin des Hauses ist und in der Karbener Stolperstein-Initiative mitarbeitet.

Acht neue Steine setzte Demnig an diesem Tag. Einer davon erinnert vor dem Haus Hauptstraße 29 in Okarben an Heinrich Agel. Der Schumacher war bei den Naturfreunden und war Mitglied der KPD. Am 16. September 1933 wurde Agel wegen kommunistischer Betätigung und missfälliger Äußerungen gegen die Reichsregierung im KZ Osthofen interniert und schwer misshandelt.

Vor dem Haus Parkstraße 23 erinnert ein Stein an Heinrich Clarius und seine Familie. Clarius widersetzte sich den Nazis. Die warfen ihm vor, bei Juden eingekauft und marxistische Propaganda betrieben zu haben. Im Mai 1936 wurde Clarius ins Polizeigefängnis Gießen und anschließend ins KZ Dachau verschleppt. Erst nach zweieinhalb Jahren kam er wieder frei. Die Stolpersteine für Agel und Clarius sind die ersten in Karben, die an politisch Verfolgte des Naziregimes erinnern.

Im Lager ermordet

Vor der Bahnhofstraße 4 machen zwei Steine auf das Schicksal von Adelheid und Lili Grünebaum aufmerksam. Vier Wochen nach der Reichspogromnacht flüchteten sie nach Hamburg. Die Spur der 71-jährigen Adelheid Grünebaum verliert sich dort. Ihre Tochter Lili wurde im Ghetto Lodz oder im Vernichtungslager Chelmo ermordet. (ieb.)

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