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24. März 2016

NPD-Politiker Jagsch: Retter von NPD-Politiker aus Flüchtlingsheim Büdingen

 Von 
Stefan Jagsch bei einer Pegida-Kundgebung an der Frankfurter Hauptwache im Mai vergangenen Jahres.  Foto: peter-juelich.com

Die Retter des NPD-Politikers Jagsch sind Flüchtlinge aus der Unterkunft in Büdingen. Sie stammen aus Syrien und dem Sudan.

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Die Identität der Flüchtlinge, die den hessischen NPD-Politiker Stefan Jagsch in der vergangenen Woche nach seinem schweren Autounfall aus dem Wagen gezogen haben, ist geklärt. Wie Gabriele Fischer, die Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen, der Frankfurter Rundschau mitteilte, handele es sich um zwei Asylsuchende aus Syrien und dem Sudan, die in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Büdingen (Wetteraukreis) untergebracht waren. Das habe der Leiter der Einrichtung bestätigt.

Am Tag des Unfalls seien die beiden Männer gerade mit Kleinbussen in die Kommunen gefahren worden, denen sie zur dauerhaften Unterbringung zugewiesen wurden, sagte Fischer – der Syrer in den Landkreis Marburg-Biedenkopf, der Sudanese nach Frankfurt. Auf dem Weg seien sie zufällig am Unfallort vorbeigefahren und hätten Jagsch geholfen. Vor allem der Flüchtling aus Syrien habe sich vor Ort um den Rechtsradikalen gekümmert. Die Namen der Männer wollte Fischer aus Datenschutzgründen nicht nennen, auch ihr Alter wurde zunächst nicht bekannt.

Stefan Jagsch, Spitzenkandidat der rechtsextremen NPD bei der Kommunalwahl Anfang März in seinem Wohnort Altenstadt (Wetteraukreis), war am Mittwoch vergangener Woche gegen 9 Uhr auf der Bundesstraße 521 zwischen Altenstadt und Büdingen-Düdelsheim von der Fahrbahn abgekommen und mit einem VW-Transporter frontal gegen einen Baum geprallt. Dabei hatte der 29-Jährige sich schwere Verletzungen zugezogen, er wird im Krankenhaus behandelt.

Noch bevor ein Rettungswagen am Unfallort eintraf, war Jagsch nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Büdingen von zwei Flüchtlingen aus dem Auto gezogen und notdürftig versorgt worden. Als schließlich die Polizei am Unfallort eintraf, waren die Ersthelfer bereits weitergefahren. Erst jetzt ist bekannt, dass sie aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Büdingen kamen. Zunächst hatte es auch geheißen, dass beide Ersthelfer syrische Flüchtlinge gewesen seien.

Weltweites Medienecho

Stefan Jagsch hat sich inzwischen auch selbst zu seinem Unfall geäußert. „Wenn es so war, ist es lobenswert, dass mir syrische Flüchtlinge geholfen haben“, sagte der NPD-Politiker dem Hessischen Rundfunk. „Aber wenn ich das in der Zeitung lese, ist das für mich noch keine Tatsache.“ Auch auf Facebook schrieb Jagsch, er könne zur Identität seiner Helfer nichts sagen, weil er keine Erinnerungen an die Zeit kurz nach dem Unfall habe. Zudem machte er in seinem Facebook-Eintrag klar, dass er generell am „Wahrheitsgehalt“ von Berichten der FR oder anderer Medien zweifle.

Der erste FR-Bericht zu dem Vorfall vom vergangenen Dienstag hat unterdessen ein massives und weltweites Medienecho ausgelöst. Zeitungen, Radiosender und Onlineportale aus den USA, Kanada, Neuseeland, der Türkei und ganz Europa griffen die Meldung auf, dass einem NPD-Politiker, der im Kommunalwahlkampf massiv Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht hatte, ausgerechnet von zwei Asylsuchenden geholfen worden war. Die NPD hatte in Altenstadt zehn Prozent der Stimmen erhalten.

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Auch in den sozialen Netzwerken rief die Geschichte ein großes Echo hervor und sorgte für zahlreiche belustigte und teils auch zynische Kommentare. Viele Nutzer freuten sich über die „Ironie des Schicksals“ und machten sich Gedanken, ob Jagsch nun seine Haltung zum Thema Asyl überdenken werde. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) teilte die Meldung auf Twitter und ergänzte sie mit einem arabischen Sprichwort: „Beschäme deine Feinde durch deinen Anstand.“

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