Künftig wird im Wetteraukreis mancher Grundschüler früher aufstehen und mit dem Bus zum Unterricht fahren müssen. Acht Dorfschulen in Altenstadt, Florstadt, Gedern und Nidda sind in Gefahr, geschlossen zu werden. In den Niddaer Stadtteilen Ulfa und Ober-Lais könnten die Schulhäuser bereits ab 2012 verwaist sein. In beiden Schulen werden bereits jeweils weniger als 70 Jungen und Mädchen unterrichtet. Tendenz fallend, so die Prognose des Kreises. Im Schuldezernat wird zurzeit am künftigen Schulentwicklungsplan gearbeitet. Eine Grundlage ist die demografische Entwicklung im Wetteraukreis. Danach soll es wie fast überall in der Republik schlecht um den schulischen Nachwuchs stehen.
Die jüngste Feststellung von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), in Deutschland kämen wieder mehr Kinder zur Welt, sei im Kreisgebiet nicht spürbar, sagt Kreisschuldezernent Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Bundesweit gab es 2008 rund 5000 Geburten mehr als im Jahr davor. Rein statistisch sei dies in der Wetterau ein Geburtenplus von drei Kindern.
Für ihn kein Grund, in einem überschaubaren Zeitraum mit erneut vollen Grundschulklassen zu rechnen - etwa in den beiden Niddaer Dorfschulen. Während Betschel-Pflügel mit der Bildung von jahrgangsübergreifenden Klassen in Ulfa Hoffnung macht, betrachtet er die Situation in Ober-Lais "als ganz schwierig". Im Schuljahr 2011/2012 werden dort voraussichtlich nur noch zwei Kinder eingeschult. In drei bis vier Jahren werden in den Klassen dann weniger als 13 Kinder sitzen. Nach dem hessischen Schulgesetz muss bei einer absehbaren dauerhaften Unterschreitung dieser Zahl die Schule geschlossen werden. "Die Grundschule vor Ort ist die beste Schule. Auch Klassen mit weniger als zehn Schülern sind vertretbar", entgegnet Betschel-Pflügel. Er bezweifelt aber, dass die neue hessische Kultusministerin Dorothea Henzler(FDP) ungeachtet ihrer Beteuerungen, die Bildung im Land zu stärken, die Mindestklassengröße aufgeben werde. Die Lösung des Problems müsse laut Schuldezernent in den Orten selbst gefunden werden, wo die Dorfschule in Gefahr ist. Eine Möglichkeit sieht er in der Umstrukturierung der Schulbezirke. Allerdings sieht er auch hier Grenzen. Die Versetzung von einigen Kindern aus der Grundschule in Nidda nach Ober-Lais alleine bedeutet für Betschel-Pflügel noch keine Sicherung des dortigen Schulstandorts. "2012 bis 2014 werden in Nidda wegen der demografischen Entwicklung 60 Kinder weniger die Schule besuchen."
Neuordnung der Bezirke
Der Elternbeirat in Gedern-Wenings will alle acht von einer Schließung bedrohten Dorfschulen zu einem gemeinsamen Vorgehen bewegen. "Unser Ziel ist eine Änderung der Schulbezirke", sagt Ada Bauersfeld. So könnten Kinder aus dem benachbarten Gelenhaar nach Wenings in den Unterricht gehen, statt in das rund neun Kilometer entfernte Ortenberg. Zum Thema Neuordnung der Bezirke will man die Hessische Kultusministerin einladen.
Die Elternschaft in Ober-Lais hat bereits reagiert. Dieser Tage wurde die Initiative "Lasst die Schule im Dorf - Grundschule Ober-Lais" gegründet (www.lasst-die-schule-im-dorf-grundschule-ober-lais.de). Ungeachtet der Schulbezirke wirbt sie um Kinder aus Michelnau und Wallernhausen. Eltern aus diesen beiden Orten hätten schon die Absicht bekundet, ihre Kinder in Ober-Lais einzuschulen. Derzeit gehen acht Kinder aus Michelnau und Wallernhausen in die Dorfschule.
In Ulfa fordert der Förderverein der dortigen Grundschule, die Schulbezirke zugunsten der Kleinschulen zu ändern. "Die Lehrer und Bürgermeisterin Lucia Puttrich stehen voll hinter uns", sagt die Vorsitzende Katja Sang. 2006 habe die Schule noch einen 770 000 Euro teuren Anbau erhalten. Damals sei der Kreis noch von einem langfristigen Erhalt ausgegangen. "Ulfa wird mit der Grundschule einen kulturellen Mittelpunkt für die Kinder verlieren."
Die Zukunft der Dorfschule in Ulfa wird am Mittwoch, 4. März, 20 Uhr, im dortigen Bürgerhaus erörtert.

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