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Echzell-Festival: Aufstand der Demokraten

Der alte Ortskern von Gettenau könnte ein Idyll sein, würden dort Rechtsextreme nicht grölend durch die Gassen ziehen und protestierende Anwohner verprügeln . Die Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ verurteilt die neonazistischen Gewalttaten. Mit dem Echzell-Festival will sie ein Zeichen setzen.

        

Die Wiesengasse in Gettenau ist  zum Leidwesen der Anwohner zum Tummelplatz von Neonazis geworden.
Die Wiesengasse in Gettenau ist zum Leidwesen der Anwohner zum Tummelplatz von Neonazis geworden.
Foto: Sascha Rheker

Die Wiesengasse am Rande des alten Ortskerns von Gettenau mit ihren stattlichen, alten Hofreiten könnte ein Idyll sein. Aber seitdem der rechtsextreme Patrick W. seine Aktivitäten hierhin verlagert hat, ist es aus mit der Ruhe in der Straße. Immer wieder ziehen grölende und pöbelnde Grüppchen durch die Gasse, gelegentlich werden protestierende Anwohner verprügelt.

Gegen diese rechtsextremen Umtriebe hat die Bürgerinitiative Grätsche gegen Rechtsaußen mit der Sportjugend Hessen und örtlichen Vereinen unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters das 1. Echzell-Festival „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ organisiert. Am Samstag geht das Fest mit prominenter Unterstützung über die Bühne. Der Chef der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, will ebenso kommen wie der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Tarek Al-Wazir. Die populäre Wetterauer Band Fräulein Wunder und die Rockband Hartmann treten ohne Gage auf.

Programm

Das Festival gegen Rechtsaußen findet am Samstag, 28. August, auf dem Sportplatz in Echzell-Gettenau statt.

Zum Auftakt wird um 16 Uhr ein Jedermann-Sponsorenlauf gestartet. Der Erlös ist für die Jugendarbeit der Bürgerinitiative Grätsche gegen Rechtsaußen vorgesehen.

Bei der Fotoaktion „Gemeinsam gegen Rechtsaußen“ kann man sich mit Prominenten fotografieren lassen. Zu den Unterstützern gehören unter anderem die Rodgau Monotones und Mitglieder von Pur.

Die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung „Der Schlips denkt, der Stiefel springt“ ist zu sehen.

Das Konzert mit Fräulein Wunder und Hartmann beginnt um 19 Uhr.

Der Eintritt frei, Nazis haben keinen Zutritt. ieb
www.graetsche-gegen-rechtsaußen.de

Patrick W. verbindet seine rassistische Gesinnung mit Geschäftssinn. Er firmiert als „Old Brothers“, zum Firmenlogo gehört ein Totenkopf, der an das Symbol der Totenkopfverbände der Waffen-SS erinnert. Ursprünglich hatte er seinen Tätöwierladen und Versandhandel von T-Shirts mit rassistischen Motiven in Wölfersheim. Die Gemeinde wehrte sich erfolgreich gegen den Laden.

Patrick W. verlegte seine Aktivitäten in die Gettenauer Wiesengasse. Seine festungsartig ausgebaute Hofreite nennt er „Old Brothers Castle“. Eine Bar mit Gaskammer-Ambiente gehört laut Anti-Nazi-Koordination Frankfurt dazu: Als Party-Höhepunkt strömt über Duschköpfe Disco-Nebel in den Raum.

Die ersten unsanften Erfahrungen mit dem neuen Nachbarn machte ein Wiesengassen-Anwohner, der sich beschwerte, weil Fetenbesucher am frühen Samstagmorgen laut rechte Parolen grölten. Der Anwohner wurde zusammengeschlagen.

Ein anderer Anwohner, der die Überwachungskameras wegdrehen wollte, die W. auf sein Haus gerichtet hatte, wurde von einem prügelnden Mob von der Leiter gezerrt. Schuhe, Hose und Unterhose wurden ihm ausgezogen. Patrick W. stellte ein Video der demütigenden Szene mit höhnischen Kommentaren ins Internet.

W.s vierbeinige Kampfhunde kassierte das Echzeller Ordnungsamt ein. Sieben Tiere wurden als „mutmaßlich gefährlich“ sichergestellt. Nur einen Hund hatte er angemeldet. Gefährliche Hunde darf Patrick W. nicht halten, weil er vorbestraft ist.

Autor:  Bruno Rieb
Datum:  25 | 8 | 2010
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