Die Kaiserin von Österreich, Elisabeth Amalie Eugenie, kurz Sisi, war 1898 für eine Woche in Bad Nauheim, "auf Weisung ihrer Ärzte und ohne besondere Begeisterung", wie Hedwig Rohde weiß. Zu unbedeutend und provinziell sei der Kaiserin das "jüngst in Mode gekommene Kurstädtchen am Taunushang" gewesen. Regelmäßig sei sie der Enge sorgfältig angelegter Parkwege und Promenaden entflohen. Sie kam aber nicht weit: von ihrem Domizil in der Burgallee spazierte sie auf den nahen Johannisberg. Immerhin konnte sie hier in die Ferne blicken: Über die weite Wetterau nach Frankfurt oder zum Vogelsberg.
Diese Anekdote über die berühmte Kaiserin und die berühmt werdende Kurstadt eröffnet den Bildband "Wege durch Bad Nauheim" mit Fotos von Wolfgang Schaper und Texten von Hedwig Rohde. Die kleine Geschichte von Sisis kleinen Fluchten ist Anlass, mit einem großartigen Panoramafoto vom Johannisberg aus in die Wetterau den fulminanten Bilderreigen über die Kurstadt zu eröffnen.
Es folgt sogleich der größte Schatz Bad Nauheims, der Sprudelhof, Europas größter Jugendstilkomplex. Zahlreiche Detailaufnahmen zeigen, wie verschnörkelt, verspielt und manchmal auch überladen die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandene Kunstrichtung war. Das hat auf manchen Satz im Begleittext abgefärbt: "Seit der Übernahme der oberhalb der Großen Kurparkwiese gelegenen Hotelkette ist ein Jugendstil-Juwel, der 1908/10 von Wilhelm Jost als Anbau errichtete Konzertsaal, von den Einheimischen seit Jahrzehnten ´Kurtheater´ genannt, für Ortsfremde ein eher verborgenes Gebäude."
Wunderbar sind auch die Blicke in die Schmuckhöfe der Badehäuser. Neben Bekanntem wird der Blick auf weniger Bekanntes gelenkt, die Jugendstil-Industriebauten am Goldstein und deren Innenleben, die idyllischen Waldteiche oder die Stadtteile, von denen das Rosendorf Steinfurth der bekannteste ist.
Schwalheim wollte um 1840 selbst zum Kurbad aufsteigen. Der Versuch misslang. 1962 wurde das Schwalheimer Kurhaus abgerissen.
Intime Kenner der Stadt
Der Band verrät, dass die Autoren intime Kenner der Stadt sind. Sie sind hier aufgewachsen und verstehen ihr Werk als "eine Liebeserklärung an eine ebenso liebens- wie lebenswerte Stadt". Wolfgang Schaper, Jahrgang 1961, von dem die 198 Fotos stammen (191 farbig, sieben schwarz-weiß) betreibt eine Grafikdesign-Agentur.
Hedwig Rohe, Jahrgang 1958, war viele Jahre Redakteurin bei der Wetterauer Zeitung und ist nach einem kurzen Ausflug in die Politik mit Kandidatur für die CDU für den Bürgermeisterposten an den Schreibtisch zurückgekehrt. Sie betreibt ein Büro für Text, Kommunikation und PR.
"Wege durch Bad Nauheim" von Hedwig Rohde und Wolfgang Schaper, 132 Seiten, fester Einband, 198 Fotos, ISBN 9783000313387, 19,80 Euro. Erhältlich ist das Buch in Bad Nauheim in der Buchhandlung am Park in der Parkstraße und im Büro des Stadtmarketings.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+