Als Stadt der Quellen firmiert Bad Vilbel schon seit Jahren. Weniger bekannt ist, dass in der größten Stadt der Wetterau auch ein mehr als passabler Apfelwein produziert wird. Den Vilbeler Schoppepetzern dürfte das nicht ganz unrecht sein. Immerhin können sie ihr Nationalgetränk ohne großes Aufsehen in den kleinen Nischen der Quellenstadt genießen. Eine dieser Nischen ist die Straußwirtschaft der Sabine Pfeiffer in der Hasengasse. Seit einigen Wochen stellt sie jeden Samstag und Sonntag drei, vier Biertische samt Bänken in ihren Hof.
Eingerahmt von einem sanierten Fachwerkhaus und einer meterhohen, zum Teil mit Efeu bewachsenen Mauer sitzt es sich dort unter einer großen Kastanie richtig gemütlich. Was den Aufenthalt so angenehm macht, ist nicht nur die entspannende Ruhe mit üppigem Grün drumherum, es ist auch die zurückhaltende Freundlichkeit der Pfeiffers, mit denen man nicht nur zum Thema Apfel interessante Gespräche führen kann.
Dabei ist das durchaus lohnend. Sabine Pfeiffers Mann Jürgen keltert nämlich selbst die Äpfel von den eigenen Streuobstwiesen im Wingert und am Glauberg. Seit Jahren schon macht der 50-Jährige aus Boskop, Ontario, Schafsnase, Jakob Lebel und Delbar Apfelwein und -saft. Langjährige Besucher des Vilbeler Bauernmarktes kennen den kräftigen Mann mit Vollbart auch als Schaukelterer. "Daraus hat sich die Idee zu der Straußwirtschaft entwickelt", sagt Jürgen Pfeiffer.
Erste Testläufe hatte es bereits im vergangenen Jahr, unter anderem beim Straßenfest auf der Frankfurter Straße gegeben. Die Resonanz sprach für sich. Eine Annonce im örtlichen Anzeigenblatt war die einzige kommerzielle Werbung. Ansonsten weisen zwei handgeschriebene Schilder am Niddaufer und ein Pressspanbembel an der Frankfurter Straße den durstigen Wochenendausflüglern den Weg.
Deftige Wurstplatte
"Eigentlich ist das ein Hobby", sagt Sabine Pfeiffer, die von ihrer Tochter Malena unterstützt wird. Unter der Woche arbeiten die Eheleute beide in der Verwaltung, weshalb ein Öffnen der Wirtschaft bislang nur am Wochenende praktikabel ist. Obwohl Jürgen Pfeiffer durchaus überlegt, im nächsten Jahr auch am Freitagabend zu öffnen und Speisen wie eine Wurstplatte mit auf die Karte zu nehmen.
Bisher gibt es neben Apfelwein und -saft nämlich nur Handkäs mit Musik, den aber gleich in drei Varianten: Zum einen ganz klassisch mit oder ohne Kümmel. Zweitens mit Frühlingszwiebeln und Knoblauch an einer Sahnesauce und drittens die Rezeptur "Wetterau". Die enthält Gurken, Zwiebeln und Äpfel an einer Joghurtschmandsauce. Für Vegetarier gibt es ein Butter- oder Schmalzbrot.
Dass die Pfeiffers mit der Wirtschaft nicht ihr Auskommen finanzieren müssen, ist nicht nur für sie ein glücklicher Umstand. Schließlich ist der etwas versteckt gelegene Hof nicht gerade ein Publikumsmagnet. Dem Genießer kann das aber nur recht sein.
Die Straußwirtschaft in der Hasengasse 1 ist noch bis einschließlich 27. September geöffnet, samstags ab 15, sonntags ab 13 Uhr.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+