Mit einer Kampagne will die Stadt Bad Vilbel Tagesmütter und -väter anwerben. Für potenzielle Interessenten soll hierzu eine Sprechstunde in der Kernstadt eingerichtet werden. Als Kooperationspartner hat sich der Fachbereich Soziale Dienste die Evangelische Familien-Bildungsstätte Wetterau ins Boot geholt.
„Tageseltern übernehmen keine Lückenbüßer-Funktion“, erklärte Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) bei der Vorstellung der Aktion. Manche Eltern wünschten sich für ihr Kind eine Betreuung in einer häuslichen Atmosphäre.
Überdies habe sich gezeigt, dass Tageseltern deutlich flexibler auf die individuellen Bedürfnisse von Familien reagieren könnten. Samstagsarbeit oder ein unerwarteter späterer Feierabend stellen kein Problem dar, bei einer Kindertagesstätte ist es schwieriger, damit umzugehen.
Aktuell gibt es in der Stadt 13 Tagesmütter, die insgesamt 47 Betreuungsplätze bieten. Laut Freund-Hahn besteht derzeit allerdings keine Warteliste. „Die Nachfrage wird sich ergeben, wenn das Angebot vorhanden ist“, meinte die Dezernentin. Zudem werde es in nächster Zeit einen wachsenden Betreuungsbedarf geben, weil Bad Vilbel eine geburtenstarke Stadt sei.
Die Tagespflege ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) ein fester Bestandteil des Kinderbetreuungsprogramms und fließt somit auch in die gesetzliche Quote für Betreuungsplätze ein. Anders als bei Kita-Stellen entstehen der Stadt für die Tagespflege keine Investitions- oder Personalkosten. Das Honorar für einen Tagesmutter oder eine Tagesvater setzt sich aus der Elterngebühr und einem Zuschuss des Kreises zusammen. Pro Kind und Stunde gibt es sechs Euro brutto - Steuer und Sozialversicherung sind davon abzuziehen. „Man kann davon nur leben, wenn die maximal zulässige Zahl von fünf Kinder aufgenommen wird“, notiert Freund-Hahn. Sie verhehlt auch nicht, dass Idealismus bei den Tageseltern vorhanden sein sollte.
Qualifizierung in Kursen
Nicht wenige Frauen arbeiten als Tagesmütter, wenn sie ihre eigenen Kinder aufziehen, meist zwei bis drei Jahre lang, berichtet Kerstin Remane, Leiterin der Familien-Bildungsstätte. Ihre Einrichtung berät nicht nur, sondern qualifiziert auch Tageseltern in Kursen. Nachdem sie 80 Kursstunden absolviert haben, können sie mit der Betreuung beginnen. Das volle Programm dauert 160 Stunden. Wer sich im April für das Seminar anmeldet, kann bis Dezember die vollständige Qualifikation erreichen. Der Kurs wird mit einem Test abgeschlossen.
Nicht alle Kandidaten gehen nach der Qualifizierung in die Tagespflege. Stadträtin Freund-Hahn kann sich vorstellen, dass Tageseltern auch die Personalknappheit in Kitas überbrücken könnten, wenn die Landesregierung das Gesetz ändere.
Die Sprechstunde für Interessenten, die sich über Tagespflege informieren wollen, ist montags von 14 bis 16 Uhr und mittwochs von 16.30 bis 18 Uhr im Haus der Begegnung, Am Marktplatz 2-4, Telefon 0160/2760730.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+