Klaus Riegelhuth macht keinen Hehl daraus: Über Zigarren zu reden, langweilt ihn. "Kannst du alles nachlesen im Internet", sagt der 53-Jährige, nicht unfreundlich, aber bestimmt. Dabei hat die Zigarre ihm, vor allem aber seinem Kiosk, in den vergangenen Jahren eine mediale Aufmerksamkeit verschafft, die seinesgleichen suchen dürfte. Ein eher unauffälliger aber traditionsreicher und zentral gelegener Kiosk schaffte es auf einmal in große überregionale Zeitungen - und auch das Fernsehen drehte schon in seinem kleinen Laden vis-à-vis zum Biwer-Kreisel.
"Lehn dich zurück, mach´s dir bequem." Riegelhuth bittet zum Gespräch in sein Wohnzimmer und erzählt von seinem Großvater. "Ein Sturkopp, ein Mann mit Haltung", wie anerkennend sagt. Schließlich war es jener Wilhelm Riegelhuth, der vor 75 Jahren nach Bad Vilbel kam und in unmittelbarer Nähe zum heutigen Kiosk, ein kleines Büdchen eröffnete. "Zwei Wochen später stand die SA vor ihm", sagt sein Enkel. Den Nazi-Schergen missfiel, dass Riegelhuth Zigaretten an Juden verkaufte - weshalb sie ihm drohten, dass er bald gar keine Einnahmen mehr haben würde. Doch als Verdun-Veteran, der bereits mit 19 Jahren ein Bein verloren hatte, nutzte er geschickt die Freiheiten, die die Kriegsversehrten gegenüber der Normalbevölkerung hatten.
Wilhelm Riegelhuth, der Großvater von Klaus, begründete den kleinen Familienbetrieb im Jahr 1935.
Zu "Ricci" geht man, wenn es in puncto Tabak mal etwas Ausgefalleneres sein darf. Riegelhuth bietet mehr als 40 verschiedene Zigarrenmarken aus Kuba, Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik. Daneben führt der Kiosk aber auch edle Markenschokoladen von Hachez, Niederegger oder Lindt. (ben)
"Für meinen Sohn, ist mein Schwiegervater die Nummer eins", sagt Annemarie Riegelhuth. "Mein Sohn ist wie sein Großvater: sehr eigen, sehr impulsiv", ergänzt die 74-Jährige, die noch immer im Kiosk mitarbeitet. 1956 heiratete sie den mittlerweile verstorbenen Horst Riegelhuth, den Sohn Wilhelms. Seitdem verkauft und berät sie in dem kleinen Kiosk. Vor einem halben Jahrhundert gehörte auch noch die benachbarte "Stadtschänke", eine Gastwirtschaft dazu. Irgendwann wurde der Familie dieser Betrieb zu aufwendig und sie verpachteten die Wirtschaft. Den Spaß an der Arbeit hat Annemarie Riegelhuth in all den Jahren nie verloren. Es ist aber nicht der Spaß, der sie deutlich jünger wirken lässt: "Es ist das Muss. Wenn sie einen Kiosk betreiben, müssen sie da sein." Das heißt auch, an sechs Tagen in der Woche um Viertel vor Sechs aufzustehen.
Dass sie das noch immer tut, liegt aber - und hier schließt sich der Kreis - an den Zigarren. "Mit dem klassischen Kiosksortiment können sie heute nicht mehr bestehen. Ich wirbel hier nur noch, weil mein Sohn vor zehn Jahren die Sache mit den Zigarren aus der Taufe gehoben hat."
Während eines Kanaren-Urlaubs Mitte der 90er Jahre entdeckte Klaus Riegelhuth, der nach eigenem Bekunden schon mit zwölf Jahren zu rauchen begann, den Zigarrengenuss. 1998 reiste er erstmals nach Kuba, und weil er sicher war, dass "die Renaissance der Zigarre in den USA" irgendwann auch nach Deutschland schwappen würde, begann er ein Jahr später mit dem Verkauf der edlen Rauchwaren in Bad Vilbel. Mittlerweile vertreibt er sogar fünf eigene Linien. Handgerollt aus einer dominikanischen Manufaktur kosten diese zwischen 1,50 und 5,50 Euro das Stück.
Mittlerweile hat Riegelhuth, der sich selbst "Ricci" nennt, eine gewisse überregionale Bekanntheit erreicht, vor allem aber einen Kundenkreis, der weit über Bad Vilbel hinaus reicht.
Einer seiner Kunden kommt aus Fulda und ist regelmäßig beruflich im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Ein kleiner Abstecher nach Bad Vilbel ist da schon mal drin, um sich mit Zigarren einzudecken. "Ricci hat Ahnung, ist günstig und er sagt einem die Wahrheit", lobt der Kunde. "Wahrheit" bedeutet, dass Riegelhuth ihm noch nie etwas verkauft hat, was er nicht selbst auch rauchen würde.

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