Heute erlebt die siebte Klasse eine besondere Englischstunde am Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasium (GBG): Khuselwa Mxatule aus Südafrika ist zu Gast, um von dem Land zu berichten, in dem die Fußball-WM spielt.
"Was wisst ihr über Südafrika?", fragt die 22-Jährige aus Port Elizabeth auf Englisch. "There is a World-Cup", lautet wenig überraschend die erste Antwort. Eine Schülerin weiß, dass es dort an Weihnachten warm ist, eine andere schwärmt von den vielen Elefanten.
Der deutsch-südafrikanische Verein Masifunde Bildungsförderung wurde nach Angaben der stellvetretenden Vorsitzenden Johanna Hundsdörfer im Jahr 2005 von Mainzer Stundenten gegründet. 2008 erhielt er den Marion-Dönhoff-Förderpreis.
In Südafrika sind 15 angestellte Mitarbeiter tätig plus Freiwillige von den Universitäten.
Der Verein mit Sitz in Mainz zählt nach eigenen Angaben zurzeit über 100 Mitglieder in Deutschland, darunter etwa 40 Aktive. Die Mitglieder in Deutschland arbeiten alle ehrenamtlich.
Masifunde heißt übersetzt "Lasst uns lernen". Der Verein vermittelt unter anderem Vorträge von Südafrikanern in Schulen. Weitere Infos unter www.masifunde.de. till
Englisch-Lehrerin Johanna Hundsdörfer hat die junge Südafrikanerin in die Klasse eingeladen. Hundsdörfer ist stellvertretende Vorsitzende des deutsch-südafrikanischen Vereins Masifunde Bildungsförderung. Sie sei wie die meisten der Vereinsgründer in Südafrika groß geworden, erzählt die 31-Jährige. Der Verein finanziert zurzeit 40 ausgewählten Patenkindern des ärmeren Stadtteils Walmer Township von Port Elizabeth den Besuch besserer Schulen, wie Hundsdörfer berichtet. Außerdem organisiere der Verein mit dem Projekt "Learn4Life" einmal pro Woche ein Nachmittagsprogramm für die Patenkinder und weitere Kinder aus dem Township.
Eine solche "Learn4Life"-Gruppe betreut Khuselwa Mxatule vor Ort. Die 22-Jährige mit Bachelor in Psychologie ist beim Verein Masifunde fest angestellt und für drei Monate auf Deutschlandbesuch. "Durch die Vorträge an Schulen wollen wir zu einem realistischeren Südafrika-Bild beitragen", sagt Hundsdörfer. "Jetzt sind Augen und Ohren dafür offen, und wir nutzen diese Chance anlässlich der WM."
Mxatule erklärt den Siebtklässlern zunächst, wie ihr Name ausgesprochen wird. Unüblich hierzulande ist der Schnalzlaut im Nachnamen nach dem M. Sie wirft ein Foto ihrer Familie an die Wand. Sie habe vier Brüder und zwei Schwestern und alle lebten zusammen in einem Haus. "Wir leben das ganze Leben mit unseren Eltern zusammen, auch wenn man eigene Kinder hat", erklärt Mxatule. "Das zeigt, wie die Südafrikaner zusammenhalten." Nur wenn die Arbeit einen weg zwinge, sei ein Umzug unumgänglich. "Und wenn jemand heiratet?", will eine Schülerin wissen. "Dann zieht die Frau in die Familie des Mannes", sagt die Südafrikanerin. Ob der Ehemann denn auch in die Familie seiner Frau ziehen würde, fragt ein Schüler. Das sei unüblich, antwortet Mxatule. "Das passiert nur, wenn es sonst keine Möglichkeit gibt."
Nun stellt die junge Frau aus Port Elizabeth ihren Stadtteil Walmer Township vor. Ein Foto zeigt Wellblechhütten, davor Abfallberge, keine Toiletten, kein Wasser, kein Strom - so sieht es in der ärmsten Gegend des Townships aus. In einer solchen Hütte habe sie acht Jahre lang gewohnt. "Die Leute haben kein anderes Leben, also müssen sie ihr Leben aus dem schaffen, was sie haben", sagt Mxatule. Ihre Familie lebe zwar immer noch im gleichen Stadtteil, aber in einem sogenannten Government House, das die Regierung Familien zuteilt, wenn sie lange genug darauf warten. Doch es gebe auch noch "bessere Wohngegenden" in dem Viertel.
Die 13-jährige Amelie Hörl hat "richtig Spaß zuzuhören". "Beeindruckend" findet sie die Lebensfreude, die die Südafrikaner ausstrahlen - bei der WM und auf den Fotos von Mxatule. Auch die junge Afrikanerin hat diese gute Laune in die Klasse mitgebracht. Sie ist nicht traurig, gerade während der WM-Zeit nicht in ihrem Land zu sein, wie sie berichtet, sondern genießt ihre Zeit in Deutschland. Die Spiele verfolgt sie am Fernseher. Nach der 0:3-Schlappe Südafrikas gegen Uruguay heißt ihr Favorit: "Germany".

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