Den hohen Publikumserwartungen gerecht werden und dennoch das Stück zeitgemäß und vorsichtig entstauben, lautet die Zielsetzung von Egon Baumgarten, der für die Burgfestspiele das Musical "My Fair Lady" inszeniert. "Es gab schon Versuche das Blumenmädchen Eliza und Professor Higgins in die Gegenwart zu übertragen", erzählt Baumgarten, für den es die zwölfte Saison in Vilbel ist. Jedoch überstehe eine solche Radikalkur weder die Handlung noch der Sprachwitz des Stückes von Alan Jay Lerner (Text) und Frederick Loewe (Musik), das nach der literarischen Vorlage von George Bernard Shaws "Pygmalion" entstand.
Baumgarten belässt den Klassiker klassisch. "Vor allem die 1964 gedrehte Filmfassung mit Audrey Hepburn und Rex Harrison in den Hauptrollen hat nachfolgende Inszenierungen stark geprägt", sagt der Theatermann, der das Werk im vergangenen Jahr in Görlitz an der Oper inszenierte. Die Geschichte spielt in London um 1900. Phonetikprofessor Henry Higgins, ein eingefleischter Junggeselle, will seinem Freund bei einer Wette beweisen, dass der gesellschaftliche Aufstieg allein von der Aussprache abhängig sei. Als Objekt des Experiments soll das Blumenmädchen Eliza Doolittle herhalten, das einen grässlich breiten und derben Londoner Arbeiterakzent (Cockney) spricht.
Die Premiere von "My Fair Lady" ist am Donnerstag, 10. Juni, 20.15 Uhr.
Die öffentliche Generalprobe findet am Mittwoch, 9. Juni, 20.15 Uhr, statt. Der Eintritt ist ermäßigt.
Insgesamt gibt es 21 Aufführungen bis zum 5. September. Die Ticketpreise liegen je nach Kategorie bei 19 bis 35 Euro im Vorverkauf.
Vorverkauf z. B. im Kartenbüro, Klaus-Havenstein-Weg 1, Tel. 06101/ 559455, E-Mail tickets@bad-vilbel.de
In der Vilbeler Fassung mit einer emanzipierten Eliza wird deutsch gesprochen und gesungen. Dabei redet die Doolittle im schnoddrigen Berlinerisch. "Dieser Dialekt, wie er seit der deutschen Uraufführung zum Tragen kommt, entspricht dem Cockney am besten", sagt Baumgarten.
Beim Gesang setzt der Regisseur nicht auf klassische Opernstimmen, sondern auf den Musicalton. Diese Modernisierung soll dem Stück mehr Leichtigkeit geben. Er rechtfertigt dies damit, dass es sich bei der Vorlage um ein Boulevardstück und nicht um eine Oper handele. Für die Rollenbesetzung gab es ein Vorsprechen und -singen mit 150 Kandidaten aus ganz Deutschland. Die Eliza wird von Sonja Tierschky verkörpert, Vater Doolittle spielt Claus Branzen und die Rolle von Higgins übernimmt Stefan Nagel.
Anders als bei frühreren Musicaleigenproduktionen wird es keinen Ersatz für die Hauptakteure geben. Nicht wenige Schauspieler haben laut Baumgarten die Partien mit den nicht einfachen Gesangsstücken im Repertoire. Im Krankheitsfall sei somit leicht Ersatz über die Künstlervermittlung des Arbeitsamts zu bekommen.
Wandlungsfähige Bühne
Der Chor besteht vor allem aus Mitgliedern des Chors VilbelCanto. Insgesamt wirken 40 Frauen und Männer mit, pro Aufführung 20, die zugleich in verschiedenen Szenen die Statisten mimen.
Beim Orchester wurde mit neun Musikern eine kleine, aber wie Baumgarten betont, ausreichende Besetzung gewählt. Immerhin muss das Ensemble unter der Leitung von Thomas Lorey Platz hinter den Bühnenbauten finden, die sich ebenfalls klassisch geben. Allerdings war Kreativität bei der Wandlungsfähigkeit des Bühnenbilds angesagt. In der Wasserburg wird auf einer sehr breiten, aber wenig tiefen Spielfläche agiert.

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