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Demo in Friedberg: Bildung ja, Nazis nein

Bei einer Demonstration fordern Wetterauer Schüler bessere Bildungsbedingungen. Die Resonanz bleibt jedoch überschaubar - an vielen Schulen ist Wandertag. Von Detlef Sundermann

Bildungsdemo in Friedberg
Bildungsdemo in Friedberg
Foto: FR/Hoyer

Dass es mit der Bildung in Hessen schlecht bestellt ist, ließen gestern rund 150 Schüler bei einer Demonstration in der Kreisstadt die Bevölkerung wissen: "Wir sind hier. Wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", skandierten sie in den Straßen. Passanten blieben stehen, Geschäftsleute kamen zur Ladentür und Gäste in Freiluftlokalen schauten interessiert.

Bei einem kilometerlangen Zug durch die Innenstadt, vorbei an Schulen, sollte sich die Menge der Protestierenden vergrößern. Der Plan der Organisatoren der Bildungsstreik AG Wetterau und des Kreisschülerrats ging jedoch nur bedingt auf. Lediglich wenige Jugendliche schlossen sich spontan der Demo an. Auch in den Schulen, wo die Demonstranten über einen Lautsprecherwagen ihre Forderungen verkündeten, wurde der Unterricht nicht unterbrochen, um persönlich Solidarität zu zeigen. In vielen Schulen gab es zudem Wandertage.

Die Jugendorganisation der rechtsextremen NPD, die JN Hessen, hatte über die NPD Wetterau angekündigt, an der Demonstration teilzunehmen. Redner Uwe Hartwig von der Lehrergewerkschaft GEW, Kreisverband Friedberg, betonte: "Wir verwahren uns gegen diese Trittbrettfahrer, die Ausländerhass und Entsolidarisierung betreiben." Der DGB sprach in einer Mitteilung von einer "unsäglichen Provokation". Zur Erleichterung der Veranstalter und der Polizei ließen sich die Braunen bei der Demonstration dann doch nicht blicken.

Eine Stunde bevor der Protest gegen die Bildungsmisere in Hessen lautstark geäußert wurde, gab es in der Burg ein "Aufwärmen". Kreisschuldezernent Helmut Betschel-Pflügel (Grüne) begrüßte die Schüler mit den Worten: "Ich finde es gut, dass ihr hier seid." Diese Demonstration, aber auch andere Bildungsstreiks und -aktionen in der Vergangenheit zeigten, "dass hier in Hessen etwas mit der Bildung nicht stimmt". GEW-Mann Hartwig übte heftige Kritik an den Rahmenbedingungen. In kaum einem anderen Bundesland werde so wenig Geld für Schule und Hochschule ausgegeben wie in Hessen und weitere Kürzungen ständen noch bevor. In den kommenden Jahren wolle die CDU/FDP-Regierung jährlich 45 Millionen Euro an den Schulen und 34 Millionen Euro an den Universitäten sparen, um den defizitären Landeshaushalt zu sanieren.

Der Gewerkschafter prangerte die "doppelten Abiturjahrgänge und doppelten Studienjahrgänge wegen des verkorksten, kinderfeindlichen, lernfeindlichen und die Schwachen benachteiligenden G8-Abiturs" an. Auch tauge die Ganztagsschule in Hessen wenig, weil dafür ausreichende Lehrer und Freizeitpädagogen fehlten. "Das ist mit Ehrenamtlichen und Tagelöhnern allein nicht hinzukriegen", betonte Hardwig. An Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) appellierte er wegen der neuen Prüfungen in Grundschulen: "Bewahren Sie die Kinder vor unnötigen und noch dazu schlechten Tests. Vom Wiegen wird die Sau nicht fett." Von den Demonstranten, den Betroffenen des Bildungssystems, wurden konkrete Forderungen geäußert, wie zum Beispiel kleine Klassen, mehr Lehrer, freier Bildungszugang für alle, Lehrmittelfreiheit oder keine Studiengebühren. Außerdem wurde eine weitreichende Reform des G8-Abiturs verlangt. Eine andere Forderung lautete, "Bundeswehr raus aus den Schulen". Laut Sören Gläsel von der Bildungsstreik AG versuche die Bundeswehr, zunehmend in Schulen präsent zu sein, um Nachwuchs zu rekrutieren.

An dem Protestzug beteiligten sich unter anderem die Jusos Wetterau. Die Demonstration endete nach zweieinhalb Stunden ohne weitere Zwischenfälle mit einer Abschlusskundgebung auf der Seewiese.

Autor:  Detlef Sundermann
Datum:  30 | 6 | 2010
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