Nach einem Fest eskalierte die Sache. Besucher einer Fete in einer Hofreite in Echzell brüllten am frühen Samstagmorgen rechte Parolen auf der Straße, berichten Anwohner. Sie hätten gegen das Hoftor einer Nachbar-Hofreite getreten, weil sich Bewohner wegen des Lärms beschwert hätten.
Ein Bewohner, der sich den Angreifern entgegenstellte, sei zu Boden geworfen, geschlagen und getreten worden. "Ich dachte, die bringen ihn um", sagt seine Frau. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung, bestätigte Polizeisprecher Willi Schwarz gestern.
Der Besitzer der Hofreite ist kein Unbekannter. Aufsehen erregte er, als er in Wölfersheim einen Tätowierladen namens Old Brothers eröffnete und im Internet T-Shirts verkaufte, auf denen "Hunting Season" steht mit einem Bild, auf dem Weiße Farbige erschießen.
Totenkopf als Firmenzeichen
Der Rechtsextreme, der sich den makabren Spitznamen "Schlitzer" zulegte, betreibt zudem einen Ordnerdienst und ein Inkassobüro. Firmenzeichen ist ein Totenkopf, der an das Symbol der Totenkopfverbände der Waffen-SS erinnert. Die kahlgeschorenen Mitarbeiter seines Ordnerdienstes tragen schwarze T-Shirts mit dem Symbol und zieren sich mit "Skinhead"-Tätowierungen.
Aus Unkenntnis wurden die "alten Brüder " auch bei seriösen Veranstaltungen als Ordner eingesetzt. "Natürlich wechseln wir die Sicherheitsfirma. Wir wollen nicht, dass unsere Veranstaltungen in die rechte Ecke gerückt werden", sagte der Betreiber eines Reichelsheimer Lokals, der den Ordnerdienst mehrfach beauftragt hatte, zur Wetterauer Zeitung, nachdem bekanntgeworden war, wes Geistes Kind die angeblichen Ordner sind. Laut Polizeisprecher Schwarz bewegen sich derartige Sicherheitsdienste noch in einer Grauzone, das solle sich aber ändern.
Die Antifaschistische Bildungsinitiative Wetterau (Antifa-BI) setzt auf Aufklärung, um zu verhindern, dass die "Old Brothers" bei Konzerten, Abi-Feiern oder anderen Veranstaltungen als Ordner angeheuert werden.
Die Gemeinde Wölfersheim ist erfolgreich gegen den rechten Laden vorgegangen. Der Vermieter kündige auf Drängen der Gemeinde dem Tätowier-Studio. Die Zeiten des "braunen Nestes Wölfersheim" seien vorbei, verkündete Bürgermeister Rouven Kötter (SPD). In Echzell fingen die Probleme damit an. Der Old-Brothers- Inhaber verlagerte seine Aktivitäten in seine Echzeller Hofreite, die er schon einige Jahre zuvor gekauft hatte. "Die NPD ist ihm viel zu lasch", berichten Anwohner.
Auf seiner Homepage im Internet findet sich ein Aufruf, nicht an NPD-Demonstrationen teilzunehmen, weil die "keinerlei Ziele verfolgt und eine schlechte Führung hat". An Hitlers Geburtstag im April wurde in der Hofreite groß gefeiert; die Polizei war mit zwei Wagen da, berichten Anwohner. Auch an diesem Freitag war wieder Fete beim Schlitzer. Die Polizei war auch wieder da. Sie hat derzeit viel zu tun in Echzell.
Rechtlich könne die Gemeinde nichts unternehmen, die Hofreite sei Privateigentum, und ein Gewerbe sei angemeldet, sagt Bürgermeister Dieter Müller (SPD). Der Rathauschef setzt auf Öffentlichkeitsarbeit, so dass keiner sagen könne, er habe nichts gewusst.
Zudem ist laut Müller das Landeskriminalamt mit seinem Programm gegen Rechtsextremismus "Ikarus" eingeschaltet. (ieb)

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