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Tierischer Therapeut: Eine Schule kommt auf den Hund

Molly, Lucie und Chira sind ungewöhnliche Klassenkameraden - sie haben vier Beine und bellen ab und zu. In den Förderklassen der Gudrun-Pausewang-Schule helfen die Vierbeiner den Kindern, ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

        

Eine Schulhündin im Einsatz.
Eine Schulhündin im Einsatz.
Foto: Michael Gottschalk/ddp
Nidda –  

Die Kinder der Erziehungshilfeklassen der Gudrun-Pausewang-Schule (GPS) sind ganz rücksichtsvoll: ,„Leise bitte – Lucie fürchtet sich erst mal, wenn viele fremde Menschen in den Raum kommen!“ Es ist keine Klassenkameradin, von der sie reden, sondern eine Australian-Shepherd-Hündin, die längst ein festes Mitglied der Schulgemeinschaft geworden ist.

Lucie, die der Förderschullehrerin Sabrina Hill gehört, ist übrigens nicht die einzige, die in den Unterricht der Erziehungshilfeklassen in Eichelsdorf integriert ist. Noch fast ein Welpe ist die, im Frühling 2010 geborene Australian-Shepherd-Hündin Bella, die der Lehrkraft Tina Kaulfuß gehört. Die Golden-Retriever-Hündinnen Molly und Chira bringt die Tierärztin und Förderschullehrerin Inge Seider mit, die maßgeblich zum Konzept der tiergestützten Arbeit an der Schule beigetragen hat.

An der GPS, einem Kooperationsprojekt mit der Jugendhilfe Nidda e.V., fallen bei den pädagogischen Zielsetzungen die Bedürfnisse der Hunde nicht unter den Tisch. 2009 erhielt die Schule den Hessischen Tierschutzpreis und eine wertschätzende Beurteilung durch die Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin.

Konzentration und Struktur

„Lernen mit Hund“ – kann das gehen? Die Kinder empfinden das Tier als ein Gegenüber, das sich nicht an Äußerlichkeiten stößt, sie nicht bewertet und auf ihre freundliche Kontaktaufnahme ebenfalls freundlich reagiert. Molly, Chira, Lucie und Bella verändern die Atmosphäre im Klassenzimmer positiv, machen das Ganze familiärer, bestärken die Kinder in ihrem fürsorglichen Verhalten.

Jungen und Mädchen, die in schwierigen Lebensverhältnissen oder nach vielen Niederlagen ein aggressives Imponierverhalten entwickelt haben, können Tieren gegenüber leichter ihre „weiche Seite“ zeigen, genießen das Streicheln, das offensichtliche Wohlbefinden des Hundes: „Guck mal, die Molly wedelt, die mag mich!“

Anweisungen werden immer auf dieselbe, dem Hund verständliche Art gegeben, das erwünschte Verhalten wird belohnt. Das ist ohne große Worte ein Anreiz für die Schüler, die eigene Arbeitshaltung zu ändern, Ruhe, Konzentration, Struktur zu entwickeln, auf immer gleiche Abläufe zu achten.

Fazit der Lehrkräfte: „Die Kinder wachsen in einen Umgangsstil hinein, der auf genauer Beobachtung des Hundes und seines Wechselspiels mit den Menschen beruht. Die Einfühlsamkeit, die hier gelernt wird, ist zugleich Gewaltprävention.“ Ein Schulhund müsse nicht auf Kommando Dinge ertragen, die er nicht möchte, erläutert Sabrina Hill. Wenn er sich nicht auf Befehl auf die Seite legen wolle, ergäben sich Gespräche mit den Schülern wie: „Warum möchte der Hund das jetzt nicht? Wie ist es für euch, wenn ihr etwas machen sollt, was ihr nicht möchtet?“

Autor:  Elfriede Maresch
Datum:  18 | 3 | 2011
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