Der 18-jährige Moritz hilft seinem Vater beim Aufbau eines Infostandes in der Büdinger Bahnhofstraße, setzt sich dann aber schnell zu seinem Lieblingsort, der Stadtbibliothek, ab. Die elfjährige Thalia packt ihre Badetasche und verschwindet ins Freibad. Banale Alltagsszenen? Nicht unbedingt.
Beide Jugendliche haben ein Down Syndrom, eine genetische Abweichung, die sich auf vielen Entwicklungsgebieten auswirkt. Nicht aber auf ihre Vitalität und Neugier. Wie andere Teenager wollen sie Spaß haben, mit Gleichaltrigen zusammen sein – kurz: dazugehören. Ihre Neugier und Lebenslust deckt sich mit den Zielen, die die UN-Behindertenrechtskonvention juristisch absichert: Die Inklusion, die Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft.
Einbeziehung, Dazugehörigkeit, dafür steht Inklusion. Sie ist Bestandteil der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen.
Die Bundesrepublik hat die Konvention am 26. März 2009 mit rund 100 anderen Staaten unterzeichnet. Sie hat sich damit verpflichtet, Menschen mit Behinderung gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.
Kontaktaufnahme mit dem Verein Your Place unter der E-Mail-Adresse: yourplace-wetterau@online.de.
Aber von der Idee bis zur Lebenswirklichkeit ist ein weiter Weg. Was braucht eine Klasse, in der behinderte und nichtbehinderte Kinder Seite an Seite lernen? Wie müssen Arbeitsplätze aussehen, an denen Menschen mit Handicaps kollegial im Team mitarbeiten? Wie viele Nachbarschaftskontakte sind nötig, damit Behinderte außerhalb großer Einrichtungen Tür an Tür mit anderen leben können?
„Gemeinsam handeln – Inklusion ermöglichen“ ist das Motto des neu gegründeten gemeinnützigen Vereins „Your Place“ e.V.. Fachleute aus Berufen des sozialen Spektrums und Angehörige von Menschen mit Handicap haben sich darin zusammengeschlossen. Begleitet werden sollen behinderte Menschen bei der Umsetzung ihrer individuellen Vorstellungen von Bildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit.
Schon haben die Aktiven im Verein erste Arbeitsstränge aufgebaut. Vorstandsmitglied Bodo Sporleder kam in Dialog mit dem Calbacher Sportverein. Für den Spätsommer ist ein Sport- und Familienfest geplant, das Behinderten wie Nichtbehinderten offen-steht.
Sein Vorstandskollege Erich Scheurmann, dessen Sohn die Hirzenhainer Hammerwaldschule besucht, ist dabei, die Zusammenarbeit von Schule und Betrieben enger zu vernetzen. Ein breites Angebot von Praktikumsstellen wäre eine große Hilfe zum Berufsstart, ein Erfahrungsfeld für erwogene Berufsausbildungen. Diese könnten abgesichert werden durch beratende Unterstützung vonseiten der Reha-Träger und der Arbeitsagentur. Zusammen mit dem „Planeten Zukunft“ und dem hessischen Sozialministerium (HSM) soll es im Frühjahr 2012 in Büdingen eine Großveranstaltung zum Thema Inklusion geben.
Der Verein hat von der Gemeinde Altenstadt einen Raum in der Mittelstraße 38 in Altenstadt-Höchst zur Verfügung gestellt bekommen und ist derzeit dabei, mit kommunalen Partnern, Selbsthilfeorganisationen und dem HSM ein Netz der Zusammenarbeit aufzubauen.
Die Vorsitzenden Bodo Sporleder, Rainer Gimbel und Erich Scheurmann: „Wir freuen uns über Anregungen und über Menschen, die sich für die Idee der Inklusion interessieren und mit uns das Tor zu deren Verwirklichung aufstoßen möchten!“

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
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