Die geplante Europäische Schule Rhein-Main (ESRM) in Bad Vilbel ist ihrer Realisierung einen großen Schritt näher gekommen. Am Dienstagabend präsentierten Klaus Minkel, erster Werkleiter der Stadtwerke, Tom Zijstra, künftiger Direktor der Schule, und Mathias Krieger, Geschäftsführer der Schule, die Pläne des ausgewählten Architekturbüros. In einem zweistufigen Verfahren konnte sich das Büro BLFP aus Friedberg gegen 33 Mitbewerber durchsetzen. BLFP hat bereits ein Bürogebäude für die Stadtwerke gebaut und besitzt auch Erfahrungen im Schulbau.
Der Entwurf der Friedberger Architekten habe die Anforderung der Zweitverwendungsfähigkeit als Bürogebäude „am gründlichsten gelöst“, begründete Minkel die Entscheidung. Die Stadtwerke als Bauherr der ESRM haben diese Zweitverwendung zur Bedingung gemacht, damit im Falle des Scheiterns der Schulgründung keine Bauruine entsteht.
Für Büros soll der erste Bauabschnitt genutzt werden, falls die Schulgründung mangels Anmeldungen scheitert.
Das Gebäude steht deshalb an der für Büros bekannten Friedberger Straße.
Der BFLP-Entwurf sieht die meisten Treppenhäuser und Zugänge vor, das sind wichtige Kriterien für Bürogebäude.
Vermeidung von Stützen, Rastermaße, 13,5 Meter Raumtiefe, Teilbarkeit und flexible Wände für vielfältige Büroformen sind weitere Kriterien.
Vor einem Flächenüberangebot in der Region hat Minkel keine Angst: Die Stadtwerke hätten bereits zweimal bewiesen, dass sie Büroflächen auch in schwierigen Marktphasen erfolgreich bewirtschaften können. ust
Davon aber gehen die ESRM-Macher nicht aus, im Gegenteil: Die Resonanz bisher sei sehr gut. Ohne gezielte Werbung, alleine durch die Diskussionen über das Schulprojekt in den Medien, habe es bereits 300 Anfragen von Eltern gegeben, berichtet Krieger. Rund 100 hätten sich verbindlich angemeldet, und ein erster Elternabend sei von mehr als hundert Interessierten besucht worden.
Krieger und Zijstra sind einem Erfolg damit nach eigenen Aussagen bereits nahe, denn ihre Rechnung sieht so aus: Für 800 Kinder ist die Schule im Endausbau konzeptioniert, 500 können im ersten Bauabschnitt unterkommen, und mit 200 bis 250 würden sie starten. „Die Klassen dürfen nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus pädagogischen Gründen nicht zu klein sein“, sagt Zijstra. Für einen Erfolg spricht laut Krieger auch, dass die Europäischen Schulen „seit 60 Jahren ein bewährtes und ausgezeichnetes Curriculum bieten und ein erfolgreiches Konzept verfolgen. Wir profitieren von diesen Erfahrungen bei der Beurteilung von Kosten und Aufwand und können deshalb seriös kalkulieren und präzise planen“.
Die aktuellen Pläne sehen den Schulstart im September 2012 vor. Denn es stehen noch Genehmigungsplanung und Bauantrag aus, und dann müssen die Gewerke ausgeschrieben werden. Minkel glaubt, das alles noch 2011 schaffen zu können. Wenn der Bau dann beginnt, steht zunächst der erste Abschnitt entlang der Friedberger Straße auf dem Programm. Er wird eine Aula (600 Quadratmeter) und eine Mensa (390 Quadratmeter) im Erdgeschoss haben. Beide sollen auch für außerschulische Zwecke nutzbar sein, ebenso wie später die Vierfeld-Turnhalle die Trainingsmöglichkeiten der Vilbeler Sportler verbessern soll. Entlang der Friedberger und der Theodor-Heuss-Straße sind 113 Parkplätze vorgesehen, die ohne Rangieren schnell angefahren werden können. So soll das zu erwartende Verkehrsaufkommen durch Eltern, die ihre Kinder bringen und holen, bewältigt werden.
13 Millionen Euro geben die Stadtwerke für Bauabschnitt 1 aus, insgesamt könnten es 20 bis 30 Millionen werden. Dem stehen Einnahmen gegenüber: 200000 Euro Jahrespacht aus dem Gelände bei vollständiger Nutzung. Und sieben Prozent Ertrag soll die Vermietung des ersten Bauabschnittes bringen, das wären über 900000 Euro im Jahr.

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