Hessentag in Bad Vilbel: ja oder nein? Die Stadt möchte die Antwort auf diese Frage auch von der Stimmung in der Bevölkerung abhängig machen; am 19. März veranstaltet sie deswegen die zweite „Projektwerkstatt“. Die FR hat sich auf der Frankfurter Straße und im Kurpark umgehört. Die meisten Passanten, mit denen sie ins Gespräch kam, würden ein Gastspiel des Hessenspektakel 2015 in Bad Vilbel begrüßen. Doch es gibt auch Vorbehalte und kritische Töne.
Viele hätten „Bedenken wegen der Schulden“, meint etwa Eva Krupkowa. Insgesamt aber, schätzt die 37-Jährige, bringe es der Stadt etwas, vor allem wegen der vielen Menschen, die dann Bad Vilbel besuchten. „Dafür wird dann ja auch etwas investiert in die Stadt.“ Genauso sieht es die 50-jährige Geschäftsinhaberin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Mit dem Geld, das wir wegen des Hessentags vom Land bekämen, könnten viele Dinge in Ordnung gebracht werden.“ Die Dieselstraße am Nordbahnhof etwa. Oder das Kurhaus, schlägt ein 64-Jähriger vor, der den Hessentag aber vor allem für einen „finanziellen Kraftakt“ hält. „Das Geld sollte eigentlich lieber in Dinge wie die Kinderbetreuung gesteckt werden.“
„Vieles würde schön gemacht werden“, ist sich Maria Zimmermann sicher, „vieles, was auch nach dem Hessentag schön bliebe“. Tausende Menschen kämen, um Bad Vilbel kennenzulernen. Das werte die Stadt auf, die ja eigentlich „nur noch dem Namen nach eine Kurstadt ist“. Zudem wäre „endlich mal was los hier“, meint die Rentnerin. Diese Hoffnung teilt sie mit der jungen Generation. Mit Vanessa Zieres, 17, und mit Zahrah Abu Markhieh, 18, zum Beispiel. „Es wäre gut, wenn der Hessentag hier stattfinden würde. Er wäre dann ja direkt vor unserer Haustür.“ Und überdies „eine gute Möglichkeit, die Neue Mitte einzuweihen“, fügt die 17-jährige Schülerin an. „Allerdings würden sich die Älteren bestimmt über die laute Musik beschweren“, gibt Zahrah zu bedenken. In einem sind sich beide aber einig: „Hauptsache Spaß. Hoffentlich kommen Bands, die auch uns gefallen, nicht nur Schlager.“
So sieht es auch die 16-jährige Katharina aus Bad Vilbel. Die Schülerin würde sich über den Hessentag in Vilbel freuen. „Dann muss ich nicht so weit fahren.“
Für die Jugend steht das Vergnügen im Vordergrund, über die Probleme der Finanzierung des Hessentages sorgt sie sich offenbar weniger. Die Lehrerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, dagegen schon: Das zu erwartende Defizit sei einfach viel zu hoch. „Die Stadt Bad Vilbel kann sich das einfach nicht leisten.“ Sie solle erst die Neue Mitte fertigstellen, bevor sie sich in neue Projekte stürze, sagt die 50-Jährige und fügt hinzu: „ Der Hessentag wird keine große Aufwertung für Bad Vilbel bringen.“
Unter anderem wegen der Nähe zu Frankfurt. Wolfgang Sudikatus dagegen meint, dass sich gerade das günstig auf den Hessentag auswirken könne, allein schon wegen der Infrastruktur. Auch ansonsten ist er sicher, „dass Bad Vilbel das stemmen kann“. Allerdings wohl nicht ohne Defizit.
Wie Oberursel, Hessentags-Stadt 2011. „Das war ein Belagerungszustand“, erinnert sich Manfred Janda aus Bad Homburg. „Der Hessentag“, meint der 57-Jährige, der überlegt, einen Laden in Bad Vilbel zu eröffnen, „ist nicht nur super fürs Publikum, sondern auch fürs Geschäft“.

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