Die drei Windräder auf der Anhöhe zwischen Bruchenbrücken und Ober-Wöllstadt können gebaut werden. Der Regierungspräsident in Darmstadt hat die immissionsschutzrechtliche Genehmigung erteilt. Allerdings wird der Anlagetyp, für den die Wiesbadener Firma Abo Wind vor sechs Jahren den Genehmigungsantrag gestellt hatte, inzwischen nicht mehr gebaut.
Das Unternehmen werde nun einen Änderungsantrag für einen neuen Typ einreichen, sagte Abo Wind-Sprecher Alexander Koffka gestern zur Frankfurter Rundschau: "Das ist eine Formalie." Er geht davon aus, dass die Windräder im Spätsommer oder Herbst errichtet werden können. Wie lange die Genehmigung der Änderung dauere, hänge davon ab, wie gravierend sie sind, sagte RP-Sprecher Dieter Ohl gestern. Das Spektrum reiche von der puren Anzeigepflicht bei geringen Änderungen bis zu einem neuen Verfahren mit Offenlegung bei gravierenden Änderungen.
Die Anlagen mit ihren 100 Meter hohen Masten und 38,5 Meter langen Rotorblättern werden vor allem von der Bürgerinitiative Lebensraum Wetterau und der Gemeinde Wöllstadt bekämpft. Die BI spricht von "Windkraftmonstern". "Wir werden mit der Gemeinde Wöllstadt prüfen, ob wir Klage gegen die Genehmigung erheben", sagte BI-Sprecher Peter Dengelmaier gestern zur FR. Klagen müsse die Gemeinde, weil sich die BI den Gang vors Gericht finanziell nicht leisten könne.
In einem ersten Gerichtsverfahren hat Abo Wind gesiegt. Die Stadt Friedberg hatte ihr Einvernehmen mit der Anlage verweigert und eine Veränderungssperre erlassen. Der Regierungspräsident hatte daraufhin am 7. September 2005 die Genehmigung abgelehnt. Abo Wind zog vor Gericht. Das Verwaltungsgericht Gießen hob am 5. September 2008 den Ablehnungsbescheid auf und verpflichtete den RP zu einer neuen Entscheidung. Das Genehmigungsverfahren wurde neu aufgerollt. Die Zahl der Windräder war inzwischen auf drei geschrumpft. Ursprünglich wollte Abo Wind fünf bauen. Ein Landwirt war aber nicht mehr bereit, seinen Acker zur Verfügung zu stellen.
Der Magistrat der Stadt Friedberg stimmte mit rot-grüner Mehrheit nun dem Bauantrag zu - zum Ärger der BI, der Nachbargemeinde Wöllstadt und auch der Mehrheit im eigenen Stadtparlament.
Die Anlage befindet sich unmittelbar an der Wöllstadter Gemarkungsgrenze. Laut Wöllstadts Bürgermeister Alfons Götz (CDU) ist sie deutlich weniger als 1000 Meter von der jetzigen Ober-Wöllstäder Wohnbebauung entfernt und nur wenig mehr als 600 Meter von der geplanten Wohnbebauung. Ein Erlass des Hessischen Wirtschaftsministers Dieter Posch (FDP) sieht vor, dass künftig Windräder mindestens 1000 Meter von der Wohnbebauung entfernt sein müssen.
Das ist seinen Friedberger Parteifreunden, die die Windräder hartnäckig bekämpfen, noch zu wenig. Sie fordern in einem Schreiben an Posch und Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), dass der Mindestabstand zur Wohnbebauung das Zehnfache der Gesamthöhe einer Windkraftanlage betragen soll.
Heute seien Windräder weit über 100 Meter hoch. Bestehende Anlagen könnten nachgerüstet werden und dadurch die Belastung der Bewohner der benachbarten Wohngebiete erheblich stärker werden, befürchtet der Friedberger FDP-Vorsitzende Jochen Meier.

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