Im Plenarsaal des Kreishauses in Friedberg wurden am Donnerstagabend fleißig Geschäfte abgeschlossen, ohne dass auch nur ein Cent den Besitzer wechselte. „Herr Altbürgermeister, hier stehen zwei Leute mit Flyern. Wie viele wollen sie denn haben“, tönte Frank Lehmann. Der Fernsehjournalist, bekannt aus „Börse im Ersten“, hatte die Moderation der Veranstaltung übernommen, in der gemeinnützige Organisationen und Firmen Leistungen tauschten.
Bad Vilbels früherer Bürgermeister Günther Biwer war für das Haus der Begegnung in seiner Heimatstadt auf der Suche nach Unternehmen, die ihm Werbezettel drucken. Als Gegenleistung bot er Hilfe bei der Gestaltung von Betriebsfeiern oder Lesungen an.
Der Vilbeler Ex-Rathauschef konnte nicht nur Verträge über den Flyer-Druck abschließen. Einig wurde er auch mit dem Hochseilgarten am Wölfersheimer See einig. Die Mitarbeiter des Hauses der Begegnung werden dort gemeinsam klettern, um den Teamgeist zu stärken. Dafür gibt Biwer im Hochseilgarten eine Lesung.
Steine fürs Hallenbad
Baumaterial konnte Ulrich Lang vom Friedberger Verein Theater Altes Hallenbad besorgen. Der Verein will das einstige Jugendstilbad in Friedberg in ein Kulturzentrum umbauen. Die Eichhorn AG aus Birstein steuert dazu Steine bei, vereinbarte Lang. Als Gegenleistung gibt es Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen des Vereins. Noch drei weitere Baustoff-Geschäfte brachte Lang an diesem Abend unter Dach und Fach.
Am schnellsten aber war Rainer Gilbert von den Naturfreunden Bad Vilbel. Nach nur sieben Minuten hatte er den ersten Vertrag in der Tasche. Helmut König aus Münzenberg wird den Naturfreunden ein Konzept für die Mitgliederwerbung entwickeln. 40 Arbeitsstunden hat er dafür veranschlagt. Die Naturfreunde lockten mit einem lukrativen Gegenangebot: Übernachtungen in ihrem idyllisch am Glauberg gelegenen Haus unweit des Keltenmuseums.
Die Stiftung der Sparkasse Oberhessen hatte gemeinsam mit dem Wetteraukreis zum Marktplatz für Geschäfte geladen, die hilfreich sein und ohne Geld ablaufen sollten. Eine Plattform für soziale Partnerschaften solle geboten werden, sagte Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel (Grüne). Solche nachhaltige Partnerschaften „treffen genau den Kern unserer Arbeit“, sagte Günter Sedlak, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassen-Stiftung. Die Unternehmen waren bei der Veranstaltung leicht in der Überzahl: 21 gemeinnützige Organisationen und 23 Firmen nutzten den Marktplatz im Kreishaus.
„Makler“ vermitteln
81 Vereinbarungen wurden abgeschlossen, berichtet die Sparkassenstiftung. Beschäftigte der Sparkasse und des Wetteraukreises waren als Makler tätig, wenn sich Vereine und Firmen nicht auf Anhieb einigen konnten. War ein Geschäft ausgehandelt, wurde es sogleich bei „Notaren“ vertraglich fixiert. Der Tauschmarkt war bereits zum zweiten Mal organisiert worden. Vor drei Jahren hatten knapp 30 Unternehmen und ebenso viele Gemeinnützige mitgemacht. Damals hatte der Gegenwert aller vereinbarten Leistungen etwa 56000 Euro betragen.

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