Eigentlich waren sich alle einig, dennoch wurde eine gute Stunde lang gestritten. Alle Kreistagsfraktionen bekundeten in der Sitzung am Mittwoch, dass sie alle Grundschulen im Wetteraukreis erhalten wollen. Das Wie war es, das für Aufregung sorgte. Konkret: Die Koalition von CDU, FWG und FDP kritisierte das Vorgehen von Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel (Grüne).
Der Dezernent hatte im Vorfeld der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans in Regionalkonferenzen darüber informiert, dass bei acht Grundschulen im Ostkreis künftig die erforderliche Schülerzahl von 13 pro Klasse nicht mehr erreicht werde.
Das sorgte für Unruhe unter Eltern und Lehrern in den betroffenen Dörfern- und auch bei der Koalition. Die brachte einen Dringlichkeitsantrag ein, der Kreistag solle sich gegen die Schließung von Grundschulen - "insbesondere in Wenings, Ober-Lais, Stammheim, Ulfa, Altenstadt-Höchst" - aussprechen. Im weitaus größten Teil des Antrags ging es aber um Betschel-Pflügel. Der habe sich "systematisch seiner Verantwortung entzogen und stattdessen Eltern, Schüler und Lehrkräfte und Kommunen verunsichert und den sozialen Frieden empfindlich gestört", steht da.
Die CDU-Kreistagsabgeordnete Lucia Puttrich (CDU), Bürgermeisterin von Nidda, warf Betschel-Pflügel eine "moderne Aufforderung zur Menschenjagd" vor. Die Schulen hätte sich gegenseitig Schüler abspenstig gemacht. Die Koalition selbst habe mehrfach gefordert, die Schulplanung an die demografische Entwicklung anzupassen, entgegnete Grünen-Sprecher Michael Rückl.
"Er ist der Mann meines Vertrauens", stärkte Landrat Joachim Arnold (SPD) seinem Dezernenten den Rücken. Es werde deutlich, was demografischer Wandel bedeute. Es nutze nichts, zu sagen, die Schulen sollen erhalten bleiben, wenn die Zahlen das nicht hergeben würden, warnte Betschel-Plügel. Es müsse eine Lösung gefunden werden, die auf Freiwilligkeit beruhe. Die zeichne sich für die drei am stärksten bedrohten Standorte auch ab. Eltern aus Nachbarorten seien bereit, ihre Kinder dorthin zu schicken.
Ein Weg, dem auch der FWG-Politiker Ekkehard Kehm zustimmte. Das Kultusministerium müsse der Erhaltung dieser kleinen Schulen zustimmen, so der Grüne Rückl. Er forderte die Koalition auf, dafür ihren Einfluss beim Land geltend zu machen. Die hat mit Jörg-Uwe Hahn (FDP) immerhin einen leibhaftigen Minister in ihren Reihen.
Die Koalition beschloss mit ihren Stimmen gegen die von SPD, Grünen und Linken ihren Dringlichkeitsantrag mit der Betschel-Pflügel-Rüge. Den Antrag der Grünen, der ebenfalls die Erhaltung aller Grundschulstandorte verlangte, ohne den Dezernenten zu verurteilen, lehnte die Koalition ab.

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